26. April 2013 · Kommentare deaktiviert für Griechenland: Bericht Rassismus Polizeirevier Piräus · Kategorien: Griechenland · Tags: ,

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Ich sehe es als meine Pflicht an, über das zu sprechen, was ich gestern im Polizeirevier Drapetsona, Piräus, gesehen habe. Ich weiß mir keinen anderen Weg, meinen Mitmenschen zu helfen, und ich erhoffe mir, dass Sie alle Ihren Beitrag dazu leisten, indem Sie die folgende Aussage kundgeben.

Gestern, am 27.03.2013, haben wir, aktive Bürger von Piräus, an einem Protest- und Beistandsmarsch teilgenommen. Das war unsere Reaktion auf den Hungerstreik, den die dort Gefangenen begonnen haben, nachdem sie – wie sie selbst bekannt gaben – verprügelt wurden. Einer von ihnen, Ibrahim Faraz, ein 28-jähriger Flüchtling aus Palästina,  hat sogar versucht, sich das Leben zu nehmen. Als wir das Polizeirevier erreicht haben, erschien der Offizier und stellte sich vor die dort bereits anwesenden MAT-Polizisten[1] . Er informierte uns und hat es uns, einer Gruppe von fünf Menschen, genehmigt, das Revier zu betreten, um mit den Gefangenen zu sprechen.

Das Bild, das sich mir bot, war schockierend. Im Inferno des Polizeireviers von Drapetsona sind seit 9 Monaten, nach dem Einsatz von „Xenios Zeus“, 100 Menschen auf 70 Quadratmetern regelrecht eingepfercht. Sie dürfen nicht auf den Hof hinausgehen, sie haben keinen Raum, um ihre Notdurft zu verrichten, denn es handelt sich um gewöhnliche Zellen in einem Polizeirevier. Die Gefangenen leiden an verschiedenen Haut- und anderen Krankheiten, die sie sich aufgrund der beschriebenen Haftumstände eingefangen haben und sind dem Selbstmord nah.  Nicht einmal Mäuse werden so gehalten, man hat einfach Mitleid mit ihnen. Das Bild lässt sich nicht beschreiben. Stellen Sie sich die schlimmsten Gefängnisse vor, die Sie je  im Kino gesehen haben, vervielfachen Sie sie bis ins Unendliche und noch immer haben Sie nicht die leiseste Vorstellung von diesen Umständen dort. Ich schäme mich für die Polizisten und empöre mich darüber, dass sie die Gefangenen schlagen. Das haben uns die Gefangenen selbst bestätigt, was der Polizeioffizier natürlich abgestritten hat.

Ich konnte das, was ihre traurigen und verzweifelten Augen mir gesagt haben, aushalten, auch das Gespräch mit dem Polizeioffizier konnte ich aushalten. Letzterer  hat sich versucht dadurch zu rechtfertigen, dass er gesagt hat, dass er sich bemüht, die Balance zwischen seiner Menschlichkeit und den Anordnungen von Herrn Dendias[2] zu halten. Laut dem Polizeioffizier sei Herr Dendias der einzig Verantwortliche für die Situation im Polizeirevier von Drapetsona, aber auch in sämtlichen Polizeirevieren im Lande. Ich bin aber zusammengebrochen, als ich vor meinen eigenen Augen gesehen habe, wie ein Mensch sein eigenes Fleisch zerrissen und sich von Kopf bis Fuß voller Blut gemacht hat. Das war nämlich die einzige Lösung, die ihm eingefallen ist, als er uns gesehen hat, damit er es aus dem Fegefeuer schafft, wo er schon seit neun Monaten eingesperrt und gefoltert wird.

Mir sind die Tränen gekommen, und damit es die Gefangenen nicht merken (die sind kaum als „Gefangenen“ zu bezeichnen; sollte es die Hölle geben, dann wird die von diesen Menschen schon erfahren), habe ich die Zelle verlassen, auch, damit ich sie meine Traurigkeit nicht spüren. Vor lauter Verzweiflung habe ich sowohl die Polizisten als auch die vom Ministerium wegen unserer Mobilisierung eingesetzten Psychologen angeschrien.

“Sie sind keine Menschen!”, habe ich geschrien. „Hier wird jede Art von Menschenrecht und Menschenwürde verletzt und Sie reden von der Bürokratie, die Sie daran hindert, Toiletten zu bauen (2 je 100 Personen), und von der Bemühung, Balance zu halten zwischen Ihrer  ,Menschlichkeit’  und den Ihnen gegebenen Anordnungen. Von wegen  Bemühung, habe ich zu ihnen gesagt, wenn sie Menschen wären und Sie bloß einen Hauch von Sensibilität hätten, dann hätten Sie selbst die Leute darüber informiert, was hier geschieht. Wenn Sie nur eine Spur davon hätten, was einen Menschen zu einem echten Menschen macht, wären Sie schon zurückgetreten, um dadurch den Weg zu ebnen, damit dieses Verbrechen ein Ende nimmt.“ Ich habe fast die Fassung verloren und musste deshalb das Revier sofort verlassen.

Wenn es noch Polizisten, Verwaltungsbeamte, Psychologen oder andere Berufstätige gibt, die über Urteilsvermögen und Menschlichkeit verfügen und gerade lesen was ich schreibe, dann müssen sie über ihre eigene Verantwortung nachdenken. Sie müssen auf all das, was sie gerade erfahren haben, reagieren. Wir sind der Staat und nicht diejenigen, die die Anordnungen erteilen. Aber wenn der Staat letztendlich schmerzunempfindlich ist, dann ist es so, weil wir, die wir den Staat bilden, unmenschlich sind.

Der Polizeioffizier des Reviers hat dem Gefangenen, der sich selbst verletzt hat, mitgeteilt, dass er bald freigelassen werde, wie beim Fall des Palästinensers, der versuchte, Selbstmord zu begehen. Was das praktisch bedeutet? Ihr werdet diesen Raum nur dann verlassen, wenn ihr Euch selbst tötet. Und falls ihr Glück habt, kommt Ihr rechtzeitig ins Krankenhaus, um gerettet zu werden.

Ich wünschte mir, dass ein jeder die Möglichkeit gehabt hätte, in die Hölle von  Drapetsona und vom ganzen Land zu kommen, um den Mitmenschen, die gleich neben unseren Wohnungen diese Folter erleiden, in die Augen zu schauen und mit ihnen zu reden. Dann wäre jeder auf der Straße, und zwar jeden Tag.

Solche Vorfälle kommen überall hierzulande vor, als Ergebnis der Unternehmung des Regimes, die als „Xenios Zeus“[1] bekannt ist.

Wir müssen alles Mögliche tun, damit diese absurde Unternehmung eingestellt wird. Herr Dendias, der offensichtlich keine Ahnung von Geschichte hat, muss endlich erfahren, dass Xenios Zeus Beschützer der Gäste in Altgriechenland war, und dass die Gastfreundschaft eine heilige Pflicht für jeden Altgriechen darstellte. Dieser Gott hat niemanden in Gefängnisse geworfen, niemanden eingesperrt und niemandem die Möglichkeit entzogen, die Sonne zu sehen. Diese Unternehmung beleidigt uns als Menschen, beleidigt unsere Zivilisation und unsere Geschichte.

Wir fordern,

Dass alle im sonnenlosen Kerker von Polizeirevier in Drapetsona eingesperrte Zuwanderer, Opfer der falschbenannten Unternehmung „Xenios Zeus“, sofort freigelassen werden.

Dass diese unmenschliche Unternehmung namens „Xenios Zeus“, die die Zivilisation und die Demokratie beleidigt, sofort eingestellt wird, denn sie macht den verletzlichsten Teil unserer Gesellschaft, die Zuwanderer und die Flüchtlinge nämlich, zum Sündenbock.

Giorgos Karystinos


[1] Das bedeutet so viel wie „Einheiten zur Aufrechterhaltung der Ordnung“. Es handelt sich um eine Art Schutzpolizei, die bei Demonstrationen eingreifen.

[2] Nikos Dendias ist der Minister für Öffentliche Ordnung und Schutz der Bürger.

[3] „Xenios“ steht als Bezeichnung  für Zeus. Die meint den Gott, der in der altgriechischen Mythologie der Gastfreundschaft schützte.

 

ENGLISH

I feell totally obliged to speak about the things I witnessed with my very own eyes at the Police Station of Drapetsona, a close-to- the city- port neighborhood in Piraeus. I really have no idea of how I could possibly help my fellow men and so I expect each one of you to contribute to this by making widely known what I saw:

The immigrants who are being imprisoned on the basement of the Drapetsona Police Station have been beaten up by the policemen in order to discontinue their hunger strike.  This behaviour  made  the 28-year -old Palestinian imprisoned refugee Ibrahim Farat to attempt suicide . These events has made us, the active citizens of Piraeus to organize a protest march to their support. Once we arrived outside the Police Station the Chief Officer Police appeared right in front of the Specially Equiped Police Forces called MAT-   to tell us that a team of 5 individuals could go in and talk to the imprisoned immigrants. These immigrants have been detained simply because they could not provide employment documents as they have lost their jobs owing to the continuously deteriorating economic crisis or because they didn’t have entrance documents in the first place. They haven’t committed any other offence…

The picture I saw was really shocking. In the inferno of the Police Station 100 people were piled up in 70 square meters and have been detained there for more than 9 months, right after the beginning of “Xenios” Dias, this especially setup force organized by the Ministry of Public Order and acts upon the commands of its Minister Mr. Dendias, badly-reputed for his humanitarian methods-which sweeps from the squares poor homeless Greek people and foreign immigrants. (Ironically, Xenios Dias – Zeus was the God of hospitality in ancient years. It was the God that protected the foreigners and every ancient Greek was obliged to take care and offer hospitality to every foreigner. Xenios Dias wasn’t the God who imprisoned, beat and tortured the foreigners). The people have been held up there under unbearable and unspeakable conditions driving these people to despair . The complete lack of hygiene has allowed the spread of contagious skin diseases among them and in combination with the complete absence of natural daylight have made these unlucky people sick , physically and mentally, forcing them to attempt suicide. Even mice may die in these conditions. The picture is impossible to depict. The kind of picture that’s rare even in movies. I’m really outraged at the State of which I’m a citizen. I’m deeply ashamed and outraged against the policemen who beat up these people as the imprisoned revealed to me, something which the Police Station Chief totally denied.

I managed to co-op with the sadness and the despair expressed in their eyes. I managed to have a dialogue with the chief who was trying, in vain, to find excuses, saying that he is trying to balance out between humanitarian principles and dehumanizing orders by Mr. Dendias, who is exclusively responsible in the chief’s opinion for the situation of the PS.

I collapsed when I saw right in front of me  a man tearing his own flesh causing bleeding as the only solution to attract our attention to his problem as soon as he saw us hoping that this will get him out of this inferno in which he is being detained and tortured for 9 consecutive months…

While tears filled my eyes, I got out of their cells so as not to be seen  as this would further cause to them more pain and grief. These people experience the conditions of hell while alive. I began to scream my head off at the policemen and  their accompanying state pschychologists.

You are no human beings I cried. You are violating every sense of what we call human rights and you talk to us about the bureaucracy which prevents you from fixing the toilets – only 2 for 100 people- and for your effort to balance out between humanism and the orders you get. Had you been human beings with any sign of sensitivity you would have spoken out for what happens inside here, and you would have resigned in order to stop this crime. I was beginning to lose control and so I moved out of the station .

Those who happen to read what I am writing must reconsider their responsibilities. They must react. We are the people who have the power.We are the State. But if the state is heartless it is because we who make it we are inhuman.

The Police Chief announced to the imprisoned man who had wounded himself that he would be set free. The same was said to the Palestinian who had earlier attempted suicide. The message that has been passed: You will get out of here only if you commit suicide and if you are lucky you may be promptly saved at the hospital…

Ι wish each one of us had the chance to get into this inferno of Drapetsona and see, speak and look into the eyes of our fellow men who experience this torture, one breath away from our homes. Then, they would all be out in the streets protesting.

Events of this kind take place everywhere in our country, being the result of the operation ‚Xenios Dias“. We must do everything we can in our capacity to put an end to this dreadful operation which is insulting us, our tradition and our civilization. Mr. Dendias, the minister of the so called ministry for the protection of the citizen(!) really or deliberately ignores our history  and he should be reminded of the meaning of hopitality these very ancient Greek words convey.

We demand that these imprisoned ill-fated victims of his cruel policy be immediately released and set free.

We demand the immediate termination of the inhuman operation “ Xenios” Dias that insults our Culture and Democracy and makes expiatories victims the most weak part of our society, the immigrants and the refugees.

Giorgos Karistinos

 

FRENCH

Je me sens obligé de parler de ce que j’ai vu hier au commissariat de police de Drapetsona au Pirée. Je ne sais pas de quelle autre manière aider mes prochains et j’aspire à ce que vous y contribuiez tous en partageant ce témoignage.

Après le passage à tabac de détenus  par des policiers de ce  poste de police, et comme ces  détenus, l’ont eux même confirmés,  cela, en réaction à la  grève de la faim qu’ils avaient débutée et après la tentative de suicide de l’un d’entre eux, réfugié palestinien âgé de 28 ans, Ibraim Faraz, nous, citoyens actifs du Pirée avons organisé hier 27 /04/13 une manifestation de protestation et de solidarité.

Lorsque nous sommes arrivés devant le poste de police de Drapetsona, le commissaire se mit devant les CRS, qui s’étaient alignés,  pour nous parler.  Il  autorisa l’entrée  d’un groupe de cinq personnes pour communiquer avec les détenus dans leur cellule.

L’image à laquelle nous avons été confrontés alors était insupportable : dans la cellule d’enfer du poste de police, d’environ 70 m2,  100 personnes  y étaient entassées, enfermées là depuis 9 mois, depuis le début de l’opération « Xenios Dias » (« Zeus hospitalier »), qui  fait référence au dieu protecteur des étrangers. Il s’agit en  réalité d’un plan de ramassage et de détention des migrants en situation irrégulière.

Ceux-ci sont  détenus sans droit de promenade, sans  voir le soleil ou respirer l’air pur (rappelons qu’il s’agit d’un poste de police), dans des conditions d’hygiène lamentables, ils  souffrent  de maladies de peau et autres dues à leurs conditions de détention et sont désespérés, au bord du suicide. Personne ne pourrait rester là 9 mois, ni même 9 heures.

J’ai honte et j’ai la rage en moi. J’ai honte et j’ai la rage envers ces policiers qui les frappent ainsi que les détenus nous l’ont rapporté. Ce  que, bien entendu, le commissaire nie.

 

J’ai supporté ce que me disaient leurs yeux tristes et désespérés, j’ai supporté de parler avec le commissaire qui tentait de se justifier, en disant qu’il essaie de maintenir un équilibre entre son humanisme et les ordres de Monsieur Dendias, qui est l’unique responsable, selon lui de la situation du poste de police de Drapetsona et de tous les postes de police du pays.  Mais je me suis effondré, lorsque j’ai vu devant moi un homme lacérer sa chair et se couvrir de sang de haut en bas, comme l’unique solution qui lui était venu à l’esprit, dès qu’il nous vit, afin de sortir de cet enfer où il est détenu et torturé depuis 9 mois.
J’ai pleuré et pour que les détenus ne me voient pas (ce ne sont pas des détenus eux,  s’il y a un enfer, ces hommes le vivent sur terre), je suis sorti de la cellule et pour ne pas leur transmettre ma propre tristesse, je me suis mis à crier sur les policiers et psychologues que le ministère avait envoyé, à cause de notre mobilisation.

Vous n’êtes pas des êtres humains, leur ai-je crié. Ici, toute forme de Droit de l’Homme est bafouée et vous me parlez de la bureaucratie qui vous empêche de mettre en place des toilettes (actuellement, 2 pour 100 personnes) et d’un effort d’équilibre entre votre ’’Humanisme’’ et les ordres que vous recevez. Mais de quel effort parlez-vous donc, leur ai-je dit, si vous étiez des Hommes, si vous aviez la moindre trace de sensibilité en vous, vous auriez parlez  autour de vous de ce qui se passe ici, si vous étiez des hommes vrais, avec une grand H,  vous auriez remis votre démission et fait en sorte que  ces actes criminels cessent .J’ai perdu mon sang froid et suis sorti de cet endroit.

S’il y a des policiers, commissaires, psychologues ou  autres travailleurs sociaux qui ont du jugement et de l’humanité et lisent ce que j’écris, ils doivent prendre leurs responsabilités et se doivent  de  réagissent.  Nous constituons l’Etat ; nous  et non ceux qui donnent des ordres. Mais si en fin de compte,  l’Etat est si irresponsable c’est parce que nous, qui le constituons, sommes aussi devenus inhumains.

Le commissaire du poste de police a annoncé au détenu qui s’était automutilé qu’il serait libéré, comme cela s’est produit avec le Palestinien qui avait tenté de se suicider. Quel message a-t-il ainsi fait passer ?!  D’ici, vous sortirez uniquement si vous tentez de vous suicider et si vous êtes chanceux,  peut-être qu’ils arriveront à vous sauver à l’hôpital.

Si seulement tous pouvaient pénétrer dans l’enfer de Drapetsona et dans d’autres endroits similaires dans notre pays pour voir, parler et affronter le regard des milliers de nos semblables qui endurent cette torture à nos côtés, ils descendraient chaque jour dans la rue.

Ces faits se déroulent dans tout le pays, à la suite de l’opération du gouvernement appelée ‘’Zeus hospitalier’’.

Nous devons tout faire pour cesser cette absurde opération. Monsieur Dendias (Ministre de la Protection du citoyen), qui n’y connait visiblement rien en histoire, devrait savoir que Xenios Dias,‘’Zeus hospitalier’’, était le dieu protecteur des étrangers dans la Grèce antique et que l’hospitalité constituait un devoir sacré de tout Grec ancien. Ce n’était pas ce dieu-là qui les jetait dans des cachots, les enfermait et leur ôtait même la possibilité de voir la lumière du jour. Cette opération nous fait honte en tant qu’Hommes, elle fait honte à notre Civilisation et notre Histoire.

Nous demandons:

-que soient libérés du cachot de Drapetsona tous les immigrés – victimes de l’appellation erronée ‘’Xenios Dias’’

-que cesse immédiatement l’opération inhumaine ‘’Xenios Dias’’ qui fait honte à notre Civilisation et notre Démocratie, faisant de la couche la plus fragile de notre société, les réfugiés et les immigrés, des victimes expiatoires.

Giorgos Karystinos

Traduction: Maroussa Diacoyannis

 

 

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