02. September 2013 · Kommentare deaktiviert für Syrien: Aufruf aus dem Palästinenserlager Yarmouk gegen Belagerung · Kategorien: Syrien

Flugblatt
Aufruf der Hilfsorganisationen des Palästinenserlagers Yarmouk zur Aufhebung der Belagerung

31. August 2013

Die Bevölkerung von Yarmouk, einem Lager für palästinensische Flüchtlinge im Süden der syrischen Hauptstadt Damaskus, leidet unter einer erdrückenden Blockade. Zivilisten, die das Lager verlassen wollen, um sich und ihre Kinder mit Lebensmitteln zu versorgen, sind seit Beginn des Jahres 2013 in ihrer Bewegungsfreiheit stark eingeschränkt.

Anfang Juli wurde die Blockade sogar noch weiter intensiviert und das Lager vollkommen abgeschlossen. Zivilisten werden am Betreten und Verlassen des Lagers gehindert; ebenso ist es ihnen untersagt, sich dem Checkpoint am Eingang des Lagers zu nähern. Seit fünf Monaten gibt es keinen Strom, und das Lager wird verstärkt bombardiert. Dies hat zu ersten Anzeichen einer humanitären Katastrophe geführt. So etwa kam es verbreitet zu Fällen von Austrocknung bei Säuglingen, von denen einige, wie das Mädchen Dschanna Hassan, starben. Dschanna verlor ihr Leben, weil keine Säuglingsmilch verfügbar war und das Kind keine Amme akzeptierte, während der Mutter, die sich aufgemacht hatte, Lebensmittel zu besorgen, verboten wurde, ins Lager zurückzukehren.

Das Lager befindet sich am Rande einer humanitären Katastrophe. Lebensmittel, Säuglingsmilch und Medikamente sind vollständig aufgebraucht und es steht kein ärztliches Personal mehr zur Verfügung. Alle verbliebenen siebzigtausend Zivilisten im Lager sind betroffen, Palästinenser wie im Lager lebende Syrer, die meisten von ihnen Frauen und Kinder, sowie mittellose Familien, die sich dorthin geflüchtet hatten.

Das palästinensische Flüchtlingslager Yarmouk unterscheidet sich vollkommen von anderen, gleichfalls eingeschlossenen Regionen in Damaskus und Umgebung, wie etwa der Ghouta. Die materiellen, geografischen und medizinischen Möglichkeiten, der achtwöchigen Hunger-Blockade zu widerstehen, sind schon allein deshalb nicht vergleichbar, weil es den Menschen aufgrund der städtischen Struktur und der extrem hohen Bevölkerungsdichte nicht möglich ist, Essbares innerhalb des Lagers zu produzieren.

Die Bevölkerung von Yarmouk hat sich Hilfe rufend an die Öffentlichkeit gewandt und forderte die Aufhebung der Blockade angesichts der Not, die mittlerweile manche Menschen dazu treibt, Katzen und Hunde zu essen. Bis jetzt wurde ihr Hilferuf jedoch von niemandem, auch von keiner erwähnenswerten Organisation, erhört.

Wir appellieren an alle Organisationen und ganz besonders an das Hilfswerk der Vereinten Nationen (UNRWA), das für das Leben der palästinensischen Flüchtlinge zuständig ist, und wir missbilligen das schreckliche und verdächtige Schweigen bezüglich der Blockade des Lagers.

Es ist die größte Schande, dass heute, zu Beginn des einundzwanzigsten Jahrhunderts, Verbrecher den Hunger als Waffe nutzen, um Menschen zu töten – und dies vor den Augen einer schweigenden Welt.

via Archiv « recherchejournal zum aufstand

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