Vor 40 Jahren hat Klaus Dörner auf einer Veranstaltung in Hamburg, bei der es gegen Psychiatrie und Gefängnisse ging, auf den Zusammenhang zwischen der Dichte, in der Menschen zusammengepackt werden, und ihrer Entwürdigung hingewiesen. Seine Einsichten lassen sich auf die Situation der Migrantinnen in Europa ohne Weiteres übertragen.

Schaut man die Fernsehbilder, so treten die Migrantinnen stets in großen Mengen auf, in Massenquartieren oder in Warteschlangen. Schon aus wenigen Dutzend machen die Fotos eine Masse. Es sind Kinder mit großen Augen darunter, die zumeist freundlich drein schauen, trotz allem, was sie schon hinter sich haben. Die Aufgabe, so die Botschaft, sei es, große Massen von Menschen zu kanalisieren, zu registrieren und unterzubringen. Als gäbe es zu den Aufnahmelagern und den Unterkünfte in Kasernen keine Alternative.

Wir dürfen uns von diesen Bildern nicht dumm machen lassen. Natürlich sind die Migrantinnen in großer Not, aber sie werden in diese Not gebracht nicht nur durch die Abwehrstrategien der EU, den Zaun in Ungarn und nun auch noch die katastrophale Lage in Kroatien, sondern zugleich durch die Art, wie sie hier, in Österreich und Deutschland, behandelt und stigmatisiert werden.

Die große Hilfsbereitschaft so vieler Menschen hier in der BRD, die das Land samt seiner Kanzlerin in einem zivilisierten, guten Licht erscheinen lässt [nachdem der Ruf dank der Griechenlandpolitik gerade völlig ruiniert war], wäre großenteils überflüssig, wenn man nur die Migrantinnen ihrer Wege gehen lassen würde. Es gehe darum, so sagt die Politik, die Ströme wieder in ordentliche Bahnen zu lenken, und es gehe um ein – fiktives – Sicherheitsrisiko.

Mehr als die Hälfte der Migrantinnen, die nach Deutschland kommen, wissen ziemlich genau, wo sie hin wollen. Sie wollen nicht in ein Lager, sondern zu ihrem Bruder, ihrer Tante, einem Nachbarn aus dem Heimatort. Oder in eine Wohnung. Die Netzwerke der Menschen aus Syrien und Kurdistan sind relativ gut. Nur eine Minderheit der Migrantinnen weiß nicht wohin. Für sie würden die Aufnahmekapazitäten in den Sammelstellen bei Weitem ausreichen, und noch für einige Hunderttausend mehr.

Bei all den Aktivitäten um Aufnahme und Versorgung geht es zugleich immer darum, sicherzustellen und kundzutun, dass die Migration nicht am gastlichen Tisch von Freunden und Angehörigen endet, sondern im Lager. Die Ehrenamtlichen helfen, aber nicht nur zum guten Zweck. Der Versorgungsbedarf wird geschaffen und erzwungen, um die Migrantinnen als Manövriermasse verfügbar zu machen – verfügbar für die Ausweisung, die Umverteilung oder auch Duldung und Integration.

Verteilungsquoten sind das krasse Gegenteil von Freizügigkeit. Und sie werden ebenso wenig greifen wie andere Strategien zum Schutz der Festung Europa (Dublin-Verrodnung). Ungarn will keine Migrantinnen, und niemand will nach Ungarn. Oder nach Polen oder Litauen. Sachsen will keine Migrantinnen und kaum jemand will nach Sachsen. Sollen sie unter sich bleiben und ihr Volkstum genießen – die Migrantinnen, die schon hundert Hürden und Fallstricke überwunden haben, bevor sie hier ins Lager gesteckt und umverteilt werden sollen, werden Mittel und Wege finden, ihr Ziel zu erreichen. Die Regionen, in denen sie Aufnahme finden, werden sie beleben und zum Guten verändern.

Frau Merkel will das Asylrecht erhalten? Dann gibt es nur eine Option: frei Wahl des Aufenthaltorts, keine Umverteilung, keine Quoten. Geldleistungen müssen den Migrantinnen folgen, ohne Zwang. Migrantinnen sind keine amorphe Manövriermasse und sie werden sich, trotz Willkommenskultur und Lagerhaltung, nicht dazu degradieren lassen.

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1 Kommentar

  1. Ich stimme dem obigen Kommentar zu, und alle die Kanalisierer und Verteiler werden ihr Ziel nicht erreichen. Nur schade, dass sie es nicht rechtzeitig erkennen, viel Leiden könnte erspart werden.

    Allerdings: In dem Moment, wo die Menschen in großer Zahl auf einem Bahnhof ankommen, ist es nötig, ihnen eine erste Versorgung zu bringen; die freiwilligen Helfer, die das tun, müssen nicht gerechtfertigt sondern bestärkt werden. Am besten wäre auch eine Fahrkarte zu ihrem Ziel dabei.