22. Februar 2016 · Kommentare deaktiviert für „200.000 Flüchtlinge warten auf Überfahrt nach Europa“ · Kategorien: Libyen, Mittelmeer · Tags:

Quelle: Die Welt

Die EU will die Ägäis streng sichern, doch in Nordafrika warten bereits 200.000 Migranten auf besseres Wetter: Sie wollen übers Mittelmeer. Auch andere Flüchtlingsrouten könnten populärer werden.

Fluchtroute-Mittelmeer

Fluchtroute-Mittelmeer

Die Europäische Union verhandelt fieberhaft darüber, dass weniger Flüchtlinge über die sogenannte Balkanroute einreisen. Doch europäische Behörden rechnen damit, dass die Migranten aufgrund von strengen Grenzschutzmaßnahmen neue Wege einschlagen und den Westbalkan umgehen werden. In den Schlussfolgerungen des Europäischen Rates heißt es daher, man müsse mögliche Entwicklungen auf alternativen Routen aufmerksam verfolgen, „um rasch und konzertiert reagieren zu können“.

Eine stärkere Sicherung der EU-Außengrenze in der Ägäis zwischen Griechenland und der Türkei wird wohl dazu führen, dass viele Flüchtlinge auf die sehr gefährliche zentrale Mittelmeerroute aus Libyen und Ägypten ausweichen werden. Nachrichtendienste aus verschiedenen Ländern beobachten nach Informationen der „Welt am Sonntag“, dass in libyschen Küstenorten bereits zwischen 150.000 und 200.000 Flüchtlinge auf besseres Wetter warten, um die Fahrt übers Mittelmeer zu wagen. Bislang kommen die Flüchtlinge dort vor allem aus Eritrea, Nigeria und Somalia. Die Zahl der Migranten aus der Kriegsregion in Syrien steigt jedoch.

Bei einer strengen Grenzsicherung in der Ägäis rechnen Experten zudem mit mehr Fluchtversuchen über das Schwarze Meer. Auch die 2015 erstmals in den Fokus gerückte Flüchtlingsroute über Georgien und Russland nach Europa könnte populärer werden.

Im Fall einer Grenzschließung in Mazedonien halten es die Experten für wahrscheinlich, dass der Flüchtlingszug auf den Weg über die griechische Westküste ausweicht oder versucht, von Albanien aus übers Meer nach Italien zu gelangen. Zudem könnte der Landweg nach Bulgarien beliebter werden. In Sicherheitskreisen warnt man, dass stark geschützte Grenzen den Migrationsdruck zwar reduzieren, aber nicht beseitigen werden. Gründe dafür sind der weiter in Syrien tobende Krieg und die anhaltend schlechte Situation in vielen Flüchtlingslagern sowie vielfältige Konflikte in Afrika. […]

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