31. Oktober 2016 · Kommentare deaktiviert für Marokko: Soziale Protestdemonstrationen weiten sich aus · Kategorien: Marokko · Tags:

Am 28.10.2016 haben staatliche Stellen das informelle Handelsgut von Mouhcine Fikri in der nordmarokkanischen Stadt Al Hoceima gegen den Protest der Lokalbevölkerung beschlagnahmen lassen. Der anrückende müllfressende LKW verschlang und zermalmte den 31-jährigen informellen Fischhändler gleich mit, vor einer großen protestierenden Menschenmenge. Die Video-Aufnahme davon zirkuliert seitdem im Internet:

Das Begräbnis und die anschließenden landesweiten Demonstrationen am gestrigen Sonntagabend waren die größten Sozialproteste in Marokko seit der Arabellion 2011.

Gegen die « hogra » (die Arroganz der Macht);  « Martyre repose en paix, on poursuit la lutte ! », « Tuez-les ! Tuez-les ! Les fils du peuple prendront la relève » oder « Mohcine est mort broyé, le makhzen est le responsable ».

Quelle: Telquel

Manifestations dans tout le Maroc en réaction à la mort tragique de Mouhcine Fikri

Après l’indignation sur les réseaux sociaux, c’est dans la rue que les Marocains expriment leur colère suite au décès de Mohcine Fikri.

Le 30 octobre, les grandes villes du pays ont été le théâtre de rassemblements, en réaction au décès de Mohcine Fikri, 31 ans, grossiste de poissons, broyé par le mécanisme d’un camion-benne dans la nuit du 28 à Al Hoceima. Sa mort tragique a dans un premier temps suscité une vague d’indignation sur les réseaux sociaux, mais aussi dans les rangs de la société civile et de partis politiques qui se sont exprimés sur l’affaire, alors que l’enquête se poursuit.

Le matin du 30 octobre, ils étaient déjà nombreux dans le cortège à accompagner la dépouille du commerçant lors de ses funérailles à Al Hoceima. Au soir du 30 octobre, c’est dans les villes, Casablanca, Rabat, Tanger, Tétouan, Larache, Meknès et à Al Hoceima où la mobilisation se poursuit, et où des manifestants se rassemblent pour scander des slogans contre l’ « hogra », l’abus de pouvoir et le déni de justice. « Martyre repose en paix, on poursuit la lutte ! », « Tuez-les ! Tuez-les ! Les fils du peuple prendront la relève » ou « Mohcine est mort broyé, le makhzen est le responsable » ont notamment résonné dans les rues du royaume.

La veille, Abdelilah Benkirane avait, quant à lui, appelé tous les membres et militants du PJD ainsi que tous ses sympathisants à ne pas répondre, d’aucune manière que ce soit, à l’appel à manifestation et aux mouvements de contestation suite au tragique décès de Mouhcine Fikri. Les instructions du secrétaire général du PJD et chef du gouvernement ont été relayées par le site PJD.ma. Le PAM a pour sa part appelé ses militants « à s’engager dans toute forme de militantisme légitime contre l’injustice et pour la défense de la dignité des citoyens ». Al Adl Wal Ihssane, s’est aussi saisie de l’affaire en relayant sur ses médias les appels à manifester.

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siehe auch: Spiegel Online

Landesweite Proteste Tod eines Fischhändlers erzürnt Marokko

Ein marokkanischer Fischhändler wird in einem Müllwagen zu Tode gequetscht. Das löst die größten Proteste im Land seit Jahren aus – sie richten sich gegen Willkür und Machtmissbrauch der Polizei.

Von Christoph Sydow

Das Leben von Mouhcine Fikri endete in einem Müllwagen. Der Fischgroßhändler aus der Stadt Hoceima in Marokko hatte 500 Kilogramm Schwertfisch in seinem Besitz, eine Spezies, die zu dieser Jahreszeit nicht gefangen werden darf. Polizisten hatten die Ware im Wert von umgerechnet rund 10.000 Euro daraufhin konfisziert und in einen Müllwagen geworfen.

Auf einem unscharfen Video ist zu erahnen, was dann am vergangenen Freitagabend passiert: Drei Männer springen in den Laderaum des Lastwagens. Als sich die Müllpresse in Bewegung setzt, springen zwei von ihnen ab. Mouhcine Fikri bleibt gefangen und wird zu Tode gequetscht.

Die Behörden sprechen von einem bedauerlichen Unfall, doch Augenzeugen wollen gehört haben, wie ein Polizist den Fahrer des Lastwagens anwies, die Müllpresse zu starten. Die Polizei bestreitet das.

„Märtyrer, ruhe in Frieden, wir kämpfen weiter“

Der Tod des 31-Jährigen hat in Marokko die größten Proteste seit fünf Jahren ausgelöst. Schon am Freitagabend gingen Hunderte Menschen in Hoceima auf die Straße. In den Sozialen Netzwerken verbreitete sich das Video von Fikris Tod, Aktivisten riefen zu landesweiten Kundgebungen auf. Der Trauerzug in Hoceima wurde zu einem Protestzug gegen die Regierung. Als Hashtag wählten die Initiatoren den Ausspruch: „Zerquetsch seine Mutter“ – diesen Satz soll der Polizist am Freitagabend dem Fahrer des Müllwagens zugerufen haben.

Am Sonntagabend erfassten die Proteste die großen Städte des Landes: Rabat, Casablanca, Fès und Tanger. Zehntausende Marokkaner demonstrieren gegen Machtmissbrauch und die Willkür der Polizei. Diese Ungerechtigkeit der staatlichen Institutionen und das daraus resultierende Gefühl der Machtlosigkeit gegenüber arroganten Uniformierten und Beamten werden in Marokko als „Hogra“ bezeichnet.

Erinnerungen an Tunesien 2010

Die Demonstranten stilisieren Fikri zu einem Helden, der Opfer der „Hogra“ geworden ist. „Märtyrer, ruhe in Frieden, wir kämpfen weiter“, riefen Kundgebungsteilnehmer am Wochenende. Ein anderer Slogan lautete „Mouhcine wurde ermordet, der Makhzen ist schuld“. Makhzen ist der arabische Name für den Herrscherhof in Rabat.

Die marokkanische Opposition vergleicht denn Fall des getöteten Fischhändlers bereits mit dem Tode des tunesischen Gemüsehändlers Mohamed Bouazizi. Der junge Mann hatte sich im Dezember 2010 in seiner Heimatstadt Sidi Bouzid selbst angezündet, um gegen Polizisten zu protestieren, die seine Ware konfisziert hatten. Der öffentliche Suizid löste eine nationale Protestbewegung aus, die zum Sturz des tunesischen Diktators Zine el-Abidine Ben Ali führte und gilt als Ausgangspunkt des sogenannten Arabischen Frühlings.

Anfang 2011 gingen auch in Marokko Tausende Bürger für Reformen auf die Straße. Die „Bewegung 20. Februar“ verlor jedoch rasch an Schwung – auch weil König Mohammed VI. eine Verfassungsreform anstieß, die dem Premierminister und dem Parlament mehr Macht verlieh und die Berbersprache Tamazight als offizielle Sprache anerkannte.

Schmiergeld gehört zum Alltag

Auch diesmal versucht der Monarch, schnell zu reagieren. Er wies Innenminister Mohammed Hassad an, der Familie des Toten einen Kondolenzbesuch abzustatten. Außerdem solle das Innenministerium die Todesumstände lückenlos aufklären.

Doch dass sich die Demonstranten so besänftigen lassen, scheint fraglich. Denn an den grundlegenden Problemen des Landes – hohe Jugendarbeitslosigkeit, alltägliche Korruption, staatliche Willkür – hat sich in den vergangenen fünf Jahren wenig geändert. Nach offiziellen Angaben ist jeder Vierte unter 25 ohne Job, in den Städten liegt die Jugendarbeitslosenquote sogar bei 38 Prozent. Tatsächlich dürfte die Quote noch höher liegen. In einer Umfrage von Transparency Maroc gab jeder zweite Befragte an, er habe im Jahr 2015 Schmiergeld an Polizisten, Beamte oder Richter zahlen müssen.

Bislang verlaufen die Proteste friedlich, die Polizei sichert staatliche Gebäude, hält sich sonst aber weitgehend im Hintergrund. Die kommenden Tage werden zeigen, ob es dabei bleibt.

Auch die deutsche Politik wird die Entwicklungen genau im Blick haben: Der Bundestag hat beschlossen, Marokko ebenso wie Algerien und Tunesien als sicheres Herkunftsland für Asylbewerber einzustufen. Die Zustimmung des Bundesrats steht noch aus. Die Große Koalition braucht in der Länderkammer die Unterstützung der Grünen – doch die haben sich bislang noch nicht auf einen Kompromiss eingelassen.

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