21. April 2017 · Kommentare deaktiviert für „Frankreich: Warum Cédric ein Flüchtlingscamp baute“ · Kategorien: Frankreich · Tags:

ARD Tagesschau | 20.04.2017

Südfrankreich, Stammland des rechtsextremen Front National. Umso beeindruckender ist das, was Bauer Cédric auf seinem Hof geschaffen hat – ein privates Flüchtlingscamp, mitten in Olivenhainen.

Von Ellis Fröder, ARD-Studio Paris

Unterwegs im Süden Frankreichs, ganz nah an der italienischen Grenze: Unten an der Küste gibt es vereinzelt Grenzkontrollen. Frankreich will die vielen Flüchtlinge nicht zu sich ins Land lassen, die im italienischen Ventimiglia auf bessere Zeiten warten. Seit knapp zwei Jahren versucht man, diesen Flüchtlingsweg zu unterbinden.

Doch wenn man das Tal hochfährt, dann gibt es nur noch eine grüne Grenze, und die ist offen und kaum zu kontrollieren. Breil ist ein kleines Städtchen oben in den Bergen – dort, wo die Luft frisch und der Himmel sehr klar ist. Hier oben, mitten in Olivenhainen und umgeben von blühenden Frühlingsblumen, gibt es das wohl einzige private Flüchtlingscamp. Hier lebt der gute Mensch von Breil, der in seinem normalen Leben Olivenöl herstellt – jetzt aber Gastgeber für Flüchtlinge ist.

Mit Trampern fing es an

Cédric ist ein junger, ernster Mann, der aussieht wie ein Ökobauer. Als er vor zwei Jahren Tramper mitnahm, wusste er nicht, dass dies sein Leben verändern würde. Die Tramper waren Flüchtlinge aus Eritrea. Sie wussten nicht wohin. Cédric nahm sie mit zu sich nach Hause und machte ihnen erst einmal etwas zu essen, stellte ihnen ein Dach über dem Kopf zur Verfügung. Das war der Anfang.

Seitdem nimmt er Flüchtlinge auf seinem Hof auf. Wenn sie zu ihm kommen, haben sie meist einen langen Weg hinter sich, über Libyen bis in den Norden Italiens, dann zu Fuß über die grüne Grenze zu Cédric. Es hat sich inzwischen herumgesprochen, dass sie bei Cédric willkommen sind. In diesen knapp zwei Jahren veränderte sich sein Bauernhof.

Die Olivenbäume stehen noch, und die vielen Hühner gibt es auch noch. Aber das kleine Bauernhaus ist umgeben von Zelten, alten Wohnwagen, abgeschabten Wohnzimmersesseln, Wäscheleinen. Und seit ein paar Wochen gibt es sogar einen selbstgezimmerten Küchenpavillon im Freien. Dort kochen die Flüchtlinge jetzt jeden Mittag und Abend. Das Ganze wird von Privatspenden finanziert. Der Geruch von Reis und scharf gewürzten Linsen liegt in der Luft. Als wir dort ankommen, werden uns sofort gefüllte Teller hingestellt. Gastfreundschaft – mit einem Lächeln serviert.

Hilfe bei Asylanträgen

Etwa 40 Flüchtlinge leben zurzeit bei Cédric, die meisten bleiben etwa zwei Wochen. Cédric hilft ihnen beim Asylantrag, gibt Wärme und Geborgenheit nach der langen Zeit der Flucht. Hier erleben sie ein fremdenfreundliches Frankreich, das es unten im Süden kaum gibt.

Mehr als 40 Prozent hatten im Département Alpes-Maritimes bei den vergangenen Regionalwahlen den rechtsextremen Front National gewählt. Fremdenfeindlichkeit und Misstrauen spüren wir in der Pension, in der wir übernachten. Ohne, dass wir das Thema ansprechen, erklären uns die Besitzer, dass die Flüchtlinge ihr Geschäft schädigten. Dabei ist weit und breit kein Flüchtling zu sehen.

In der Pension übernachten auch Polizisten, die in dem Grenzgebiet regelmäßig auf Patrouille sind. Beim Frühstück versuchen wir, mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Sofort kommt der Besitzer und stellt sich schützend vor die jungen Polizisten. Er verbietet uns, mit ihnen zu sprechen. Die Polizisten seien noch so jung und könnten sich nicht wehren. Journalisten fragten ja immer so intensiv nach. Die Polizisten schweigen.

Kein Wunder, dass sich die Flüchtlinge in dem großen Olivenhain von Cédric sicher und geschützt fühlen. Die harte Realität als Flüchtling in Frankreich werden sie spüren, wenn sie ihren Asylantrag gestellt haben und aufs Land verteilt werden.

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