12. August 2017 · Kommentare deaktiviert für „Spanien: Die Antwort heißt Grenzschutz“ · Kategorien: Marokko, Spanien, Westlich · Tags: ,

Süddeutsche Zeitung | 11.08.2017

Seit Kurzem kommen wieder mehr Migranten und Flüchtlinge aus Afrika ins Land. Die Zahlen aber sind vergleichsweise niedrig: 11 000 waren es im ersten Halbjahr. Die wenigsten haben Aussichten auf Asyl.

Von Thomas Urban, Madrid

Die Grenztruppen und die Küstenwache im Südwesten Spaniens sind weiter verstärkt worden, nachdem in dieser Woche zwei größere Gruppen afrikanischer Migranten auf spektakuläre Weise auf spanischen Boden gelangt waren. Am Montag hatten fast 200 junge Afrikaner den spanischen Posten an der Grenze zu Marokko in der Hafenstadt Ceuta überrannt. Am Mittwoch landete ein Schlauchboot mit mehreren Dutzend Afrikanern an einem Touristenstrand unweit der Kleinstadt Barbate an der südspanischen Atlantikküste.

Nach Angaben des Innenministeriums sind im ersten Halbjahr 11 000 Afrikaner illegal auf spanisches Territorium gelangt, davon 3000 in die beiden nordafrikanischen Exklaven Ceuta und Melilla. Es handle sich um eine deutliche Zunahme gegenüber dem Vorjahr.

Nach Angaben der Guardia Civil, der nationalen Polizeitruppe, ist nur ein kleiner Teil der Migranten, die am Strand bei Barbate aus dem Boot gesprungen sind und sofort das Weite gesucht haben, bislang von den Behörden erfasst. Man vermute, dass die meisten keinen Asylantrag stellen wollten, sondern auf Arbeitssuche seien. In den Obst- und Gemüseplantagen der Region werden immer wieder Saisonarbeiter gesucht. Allerdings gelingt es nach Angaben der spanischen Caritas, die sich um einen Großteil der jungen Afrikaner kümmert, nur einem kleinen Teil von ihnen, eine befristete Arbeit zu finden.

Die Küstenwache hat seit dem Vorfall vom Mittwoch ihre Patrouillen mit Hubschraubern und Schiffen verstärkt. Eine interne Untersuchung soll klären, warum es einem großen Schlauchboot gelingen konnte, trotz des dichten Überwachungssystems unbemerkt bis an den stark besuchten Strand zu kommen. Nach Berichten lokaler Medien standen Privatfahrzeuge für die Ankömmlinge bereit und haben die meisten von ihnen sofort weggebracht – ein weiterer Hinweis darauf, dass das Unternehmen organisiert war.

In Ceuta wurde der Grenzübergang vorübergehend geschlossen, die Anlagen sollen bis Mitte September auf spanischer Seite ausgebaut werden. Schätzungen zufolge warten auf marokkanischer Seite mehrere Tausend junge Afrikaner, um den sechs Meter hohen und durch Stacheldraht gesicherten Dreifachzaun zu überwinden. Nur ein Bruchteil von ihnen hat Chancen, Asyl zu erhalten. Allerdings machen auch nur wenige von ihnen politische Verfolgung geltend. Die meisten stammen aus Mittelstandsfamilien südlich der Sahara, die den Preis von derzeit mindestens 2000 Euro für die Fahrt durch die Wüste bis in den Norden Marokkos aufbringen können. In den vergangenen Jahren, als nur wenige Dutzend pro Monat die Grenzanlagen überwinden konnten, haben die Behörden die meisten der Afrikaner nach Norden ausreisen lassen. Bevorzugte Reiseziele waren Frankreich und Deutschland.

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