30. Oktober 2017 · Kommentare deaktiviert für „Gleichförmig und multimedial“ · Kategorien: Deutschland, Mali · Tags:

German Foreign Policy | 30.10.2017

Die Bundesregierung macht die kriegerischen Aktivitäten Deutschlands in Mali zum Schwerpunkt ihrer militärpolitischen Propaganda. Erst kürzlich startete auf dem Youtube-Videokanal der deutschen Streitkräfte eine Serie über in dem westafrikanischen Staat stationierte Bundeswehrsoldaten. Fast zeitgleich wurde in den Berliner Räumlichkeiten des Auswärtigen Amts eine Ausstellung über die deutsch-malischen Beziehungen eröffnet. Während die Youtube-Serie auf die Rekrutierung militärischen Nachwuchses abzielt, präsentiert die Exposition Deutschland als „verlässlichen Partner“ beim „Kapazitätsaufbau der malischen Sicherheitskräfte“. Zudem veröffentlicht das Bundesverteidigungsministerium beinahe täglich Propagandameldungen über die Operationen deutscher Truppen in Mali. Analog zur Youtube-Serie erscheinen die eingesetzten Soldaten hierbei als Kämpfer im Dienste der „Friedenssicherung“, die selbstlos „Staub, Dreck und extremer Hitze“ trotzen. Umgekehrt weisen die in diesem Zusammenhang angebotenen „Hintergrundinformationen“ zahlreiche Parallelen zu den Werbetexten der Youtube-Serie auf.

Mali und Deutschland

Wie das Bundesverteidigungsministerium mitteilt, wurde am 18. Oktober in den Berliner Räumlichkeiten des Auswärtigen Amts die Ausstellung „Mali und Deutschland – Partner für Frieden und Stabilisierung“ eröffnet. Dem Bericht zufolge geht es dabei insbesondere um die Beteiligung deutscher Truppen an der Militäroperation MINUSMA („Multidimensionale Integrierte Stabilisierungsmission der Vereinten Nationen in Mali“) im Norden des Landes. Weitere Themen sind die „EU-Ausbildungsmissionen“ EUTM („European Training Mission“) und EUCAP („EU Capacity Building Mission“) zur Schulung malischer Soldaten und Grenzpolizisten. Demgegenüber bleibt die von den Ausstellungsmachern betonte deutsche Unterstützung für den „Versöhnungsprozess“ zwischen den malischen Bürgerkriegsparteien völlig im Dunkeln. Verwiesen wird vielmehr auf „zahlreiche Projekte zum Kapazitätsaufbau der malischen Sicherheitskräfte“ wie den „Bau einer Munitionsstätte“.[1]

Soldatenhandwerk im Einsatz

Nur zwei Tage vor der Eröffnung der Exposition, am 16. Oktober, startete auf dem Youtube-Videokanal der deutschen Streitkräfte die Serie „Mali“. Am Beispiel von acht Bundeswehrangehörigen werde darin ein „transparentes und authentisches Bild“ vom Leben der Truppe in dem westafrikanischen Land gezeichnet, heißt es im zugehörigen Werbetext: „Die Zuschauer werden zusammen mit den Neuankömmlingen für die Gefahren improvisierter Sprengfallen sensibilisiert und schauen zu, wie die Soldaten ihre Stuben einrichten – mit Bettwäsche aus Deutschland, einem Stück Heimat in der Fremde.“ Dem deutschen Militär zufolge geht es zudem um das „Soldatenhandwerk im Einsatz“ [2]; zu sehen sind unter anderem der Aufbau des deutschen Camps, Fahrzeugpatrouillen oder Gefechtsübungen mit großkalibrigen Waffen und scharfer Munition. Wie aus dem Bundesverteidigungsministerium verlautet, will man die „großen Belastungen“, denen die deutschen Armeeangehörigen ausgesetzt sind, dabei nicht verschweigen; zu den behandelten Themen zählen denn auch die „dauerhafte Bedrohungslage“ sowie der alltägliche „Umgang mit hohen Temperaturen und giftigen Tieren“.[3]

Pausengespräch auf dem Schulhof

Erklärtes Ziel der Serie „Mali“ ist es laut Bundesverteidigungsministerium, „Hemmschwellen und Unsicherheiten in Bezug auf Auslandseinsätze abzubauen“ und „Interesse am Arbeitgeber Bundeswehr“ zu wecken.[4] Folgerichtig wenden sich die Videos in erster Linie an Jugendliche ab 17 Jahren und junge Erwachsene, was auch an den begleitend eingesetzten Werbemedien deutlich wird. So können sich die Zuschauer etwa über den Internetdienst „Snapchat“ selbst in einen Soldaten verwandeln oder via Facebook mit einem virtuellen Presseoffizier namens „Malibot“ kommunizieren. Mit der Umsetzung des multimedialen Rekrutierungskonzepts hat das Verteidigungsministerium einmal mehr die Düsseldorfer Werbeagentur „Castenow Communications“ betraut, die schon für die Vorgänger-Serie „Die Rekruten“ und die „Arbeitgeber-Imagekampagne“ der Bundeswehr „Mach, was wirklich zählt“ verantwortlich zeichnete. Beide Propagandaprodukte brachten Castenow zahlreiche Preise ein: Allein für die Video-Reihe „Die Rekruten“, die junge Soldaten während ihrer militärischen Grundausbildung zeigt, erhielt die Agentur den „Digital Award“ der deutschen IT-Branche, den „Goldenen Nagel“ des deutschen „Art Directors‘ Club“ und den „Trendence Award“ des gleichnamigen Beratungs- und Umfrageinstituts. Wie Dirk Feldhaus, Beauftragter des Bundesverteidigungsministeriums für die „Kommunikation der Arbeitgebermarke Bundeswehr“, unlängst erklärte, zeige dies, dass man „einen Nerv getroffen“ habe und dass es gelungen sei, „die Bundeswehr auf vielen Schulhöfen in ganz Deutschland zum Pausengespräch zu machen“.[5] Der bejubelte „Erfolg“ kommt nicht von ungefähr: Für „Die Rekruten“ wendete das Verteidigungsministerium rund acht Millionen Euro auf, für „Mali“ waren es mehr als sechs Millionen.

PR-Inhalte

Die propagandistischen Inhalte der Youtube-Serie „Mali“ wiederum finden sich auch in den offiziellen Verlautbarungen des deutschen Verteidigungsressorts. So war etwa in einer vor wenigen Tagen veröffentlichten Meldung zu lesen, die in dem westafrikanischen Land operierenden deutschen Soldaten hätten mit „Staub, Dreck und extreme(r) Hitze“ zu kämpfen und stünden unter einer „großen physischen Belastung“. Jedoch sorge ein „Instandsetzungszug“ durch die Wartung von Klimaanlagen dafür, „dass Mensch und Material auch in der gleißenden Hitze immer bereit sind“.[6] An anderer Stelle hieß es über die beim Aufbau des deutschen Camps im malischen Gao eingesetzten „Spezialpioniere“, diese arbeiteten „oftmals den ganzen Tag in der prallen Sonne bei 45 Grad“ und sähen abends aufgrund des roten Sands „wie paniert“ aus. Gleichzeitig wurde behauptet, die Soldaten könnten durch die von ihnen vorgenommene „Geländeerkundung“ samt „Kampfmittelräumung“ letztlich „Leben retten“.[7]

Hintergrundinformationen

Umgekehrt wurden aus den länderspezifischen „Hintergrundinformationen“ des deutschen Verteidigungsministeriums offenbar ganze Passagen für die Werbetexte zur Serie „Mali“ übernommen. Wortgleich heißt es etwa über das „deutsche Einsatzkontingent“: „Die deutschen Soldatinnen und Soldaten übernehmen nach Maßgabe des Völkerrechts und der Einsatzregeln der Europäischen Union im Rahmen ihres Einsatzes Aufgaben in den Bereichen Führung, Verbindung, Beobachtung und Beratung. Zudem unterstützen sie das Personal der EU-Missionen vor Ort in Mali und leisten wichtige Beiträge zum Gesamtlagebild sowie zur zivil-militärischen Zusammenarbeit. Darüber hinaus übernimmt die Bundeswehr vor Ort den Lufttransport Verwundeter und leistet Unterstützung bei der Verlegung und Folgeversorgung von MINUSMA-Kräften.“[8]

Uniformierung und Kontinuität

Die gleichförmige Ausrichtung der deutschen Militärpropaganda und der Bundeswehr-Personalrekrutierungsmaßnahmen dürfte nicht zuletzt dem Einfluss von Agenturen wie „Castenow Communications“ geschuldet sein. Die dahinter stehenden theoretischen Überlegungen sind indes deutlich älter: Schon 1929 äußerte der spätere PR-Experte und NS-Aktivist Carl Hundhausen, jedwede Form der Werbung könne die ihr zugedachte „Gedächtniswirkung“ beim Adressaten nur erzielen, wenn sie planmäßig und zielgruppenorientiert erfolge und sich durch „Uniformierung“ und „Kontinuität“ auszeichne.[9]

 

[1] Mali und Deutschland – eine besondere Beziehung. www.bmvg.de 24.10.2017.

[2] Neue Serie: Exklusiv aus dem Einsatz auf allen Kanälen. www.bundeswehr.de 09.10.2017.

[3] Serie „Mali“: Einsatz Hautnah. www.bundeswehr.de 16.10.2017.

[4] Wenn Mali zum „Abenteuerspielplatz“ wird. www.t-online.de 19.10.2017.

[5] Castenow gewinnt mit „Die Rekruten“ Gold beim Deutschen Digital Award. www.castenow.de.

[6] MINUSMA: Instandsetzung im Einsatz. www.bmvg.de 23.10.2017.

[7] MINUSMA braucht Platz. www.bmvg.de 07.06.2017.

[8] MINUSMA. www.bmvg.de; Serie „Mali“: Einsatz Hautnah. www.bundeswehr.de 16.10.2017.

[9] Zitiert nach: Peer Heinelt: „PR-Päpste“. Die kontinuierlichen Karrieren von Carl Hundhausen, Albert Oeckl und Franz Ronneberger. Berlin 2003.

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