09. November 2017 · Kommentare deaktiviert für Nach Eskalation durch Libysche Küstenwache: Sea-Watch lädt zu Gesprächen ein · Kategorien: Libyen, Mittelmeer · Tags: , ,

Sea Watch | 09.11.2017

Erneut ist es auf dem Mittelmeer am Montag zu Toten gekommen, nachdem ein Rettungseinsatz durch das unkoordinierte und unprofessionelle Eingreifen der Libyschen Küstenwache außer Kontrolle geraten ist. Sea-Watch ist sehr daran interessiert, solche Vorfälle in Zukunft zu vermeiden und lädt die Libysche Küstenwache deshalb zum Gespräch nach Berlin ein, um weitere Tragödien zu vermeiden.

“Alle Seiten sollten ein Interesse daran haben, Situationen wie die von Montag zu vermeiden” sagt Sea-Watch Vorstand und Einsatzleiter Johannes Bayer, “deshalb laden wir die Libysche Küstenwache zu Gesprächen ein, um sicherzustellen, dass sich in Zukunft alle Beteiligten an internationale Gesetze halten und bei Rettungseinsätzen konstruktiv zusammenarbeiten, um weitere Tote an Europas Grenzen zu vermeiden.”

Der Rettungseinsatz am Montag fand etwa 30 Seemeilen nördlich von Tripoli statt, weit außerhalb libyscher Territorialgewässer. Libyen hatte dort keinerlei Hoheitsrechte. Die Mitglieder der Küstenwache hätten den Einsatz mit den anwesenden Rettungskräften, der Sea-Watch 3, einem französischen Kriegsschiff sowie einem italienischen Marinehubschrauber bestmöglich koordinieren müssen. “Stattdessen haben die Libyer das im Sinken begriffene Schlauchboot beinahe überfahren, um als erste vor Ort zu sein und damit Chaos ausgelöst, das letztlich Menschenleben gekostet hat,” sagt Sea-Watch Einsatzleiter Bayer. “Es schien in erster Linie darum zu gehen, möglichst viele Menschen zurück nach Libyen zu bringen. Das Ziel, Ertrinkende aus dem Wasser zu holen, war offensichtlich sekundär. Die Libyer hatten noch nicht einmal ihr Rettungsboot zu Wasser gelassen; diese Cowboy-Manier muss ein Ende haben,” so Bayer.

Sea-Watch hat die Ereignisse von Montag umfassend aufgearbeitet und ein entsprechendes Dossier erstellt: Auf Fotos wird deutlich, wie gefährlich das Vorgehen des Libyschen Schiffes war. Ein Video zeigt, wie ein libyscher Küstenwächter mit einem Seil auf Flüchtende einschlägt, anschließend springen einige zurück ins Wasser. Zudem beweisen Mitschnitte des Funkverkehrs, dass der italienische Marinehubschrauber die Libysche Küstenwache mehrfach zur Kooperation mit der Sea-Watch 3 aufgefordert hat. Das Dossier finden Sie hier: sea-watch.org/update-beweise-libysche-kuestenwache/

Es ist jedoch auch nicht das erste Mal, dass es beim Zusammentreffen der Libyschen Küstenwache mit Rettungskräften zu Problemen kommt. Nur drei Tage vor der Tragödie am Montag fallen Schüsse, als die Libysche Küstenwache einen Rettungseinsatz der Deutschen Marine bedrängt, bereits vor einem Jahr, am 21.10.2016 starben mindestens 20 Menschen als die Libysche Küstenwache einen Rettungseinsatz von Sea-Watch überfällt, um einen Push-back durchzuführen.

Bundesregierung soll Gespräche ermöglichen

“Wir respektieren die Libysche Souveränität, doch es gibt internationale Gesetze, an die sich alle Beteiligten zu halten haben, auch die Libysche Küstenwache, insbesondere wenn sie sich außerhalb ihrer Territorialgewässer befindet. Wir wissen um die komplizierte Situation in der sich Libyen befindet und wir wissen auch, dass die Libysche Küstenwache letztlich von der Europäischen Union dafür unterstützt wird, Flüchtende aufzuhalten. Dennoch bleiben Push-backs illegal und inakzeptabel. Vor allem aber wenn Menschenleben unmittelbar gefährdet sind, muss eine möglichst effiziente Seenotrettung immer Vorrang haben” sagt Bayer. “Wir laden die Libysche Küstenwache deshalb nach Berlin ein, um darüber zu sprechen, wie in Zukunft ein konstruktives Miteinander aussehen kann.” Sea-Watch bittet die Bundesregierung um Unterstützung, die Gespräche zu ermöglichen. Die Bundesregierung soll dafür sorgen, dass die libyschen Gäste problemlos nach Berlin reisen können.

Für Rückfragen erreichen Sie Sea-Watch Sprecher Ruben Neugebauer unter +4915773689421 und presse@sea-watch.org

Beweise für das Vorgehen der Libyschen Küstenwache am Montag finden Sie hier: sea-watch.org/update-beweise-libysche-kuestenwache/

Bild & Videomaterial aus dem Einsatz finden Sie unter: www.dropbox.com und auf unserem Youtube Kanal.

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