07. Januar 2018 · Kommentare deaktiviert für „Migranten in Libyen: Nigeria holt seine Bürger heim“ · Kategorien: Afrika, Libyen · Tags:

taz | 08.01.2018

15.000 im Bürgerkriegsland Gestrandete sollen 2018 ausgeflogen werden. Ihre Familien zu Hause sind nicht immer erfreut darüber.

TUNIS taz | Die nigerianische Regierung will ihre in Libyen gestrandeten Staatsbürger zurückholen. Am Samstag kündigte Außenminister Geoffrey Onyema in Tripolis an: „Unser Präsident hat alle nötigen Maßnahmen getroffen, um alle Nigerianer aus Libyen in ihre Heimat zu bringen.“ Das sagte Onyma auf einer Pressekonferenz mit seinem libyschen Kollegen Mohammed Taha Zialla. Begleitet wurde der Außenminister von einer Delegation der Nationalen Notstandagentur NEMA, die nach Besuchen in westlibyschen Gefängnissen 5.037 Nigerianer identifizieren konnte.

Am Sonntag hoben zwei gecharterte Maschinen vom Flughafen Meitiga in Tripolis nach Lagos ab. Die 700 Migranten an Bord waren meist aus Schlauchbooten gerettet und in zwei der zehn Aufnahmelager im Großraum Tripolis festgehalten worden.

5.500 Nigerianer sollen nach der libysch-nigerianischen Vereinbarung in diesem Jahr ausgeflogen werden. Die tatsächliche Zahl der an der 2.300 langen libyschen Küste auf die Überfahrt nach Europa wartenden Nigerianer dürfte jedoch wesentlich höher liegen. Denn viele der Migranten werden von informellen mafiösen Netzwerken durch die Sahara an die Mittelmeerküste gebracht und warten in sogenannten Gettos auf die bereits bezahlte Weiterfahrt. Die versteckten „Gettos“ werden meist von lokalen Milizen bewacht, für die Migration die letzte verbliebene Einkommensquelle für Devisen ist.

Außenminister Onyema zeigte sich schockiert über die Bedingungen in den Lagern, dämpfte jedoch die Hoffnung, alle Nigerianer in Libyen ausfindig zu machen: „Viele der kriminellen Milizen, die sich mit dem Lösegeld von entführten Migranten oder von deren Transport durch Libyen finanzieren, haben kein Interesse an der Evakuierung ihrer Ware.“

Bis zu 700.000 Migranten sitzen in Libyen fest

Die Rückführung der Nigerianer ist Teil eines internationalen Plans, bis Jahresende 15.000 Migranten aus Libyen in Sicherheit zu bringen. Dort sitzen bis zu 700.000 Menschen fest und finden nur selten Arbeit, um die Fahrt nach Europa oder die Rückkehr in die Heimat zu finanzieren.

Angesichts der Zustände in Lagern und Gefängnissen hatten mehrere afrikanischen Staaten auf dem EU-Afrika-Gipfel in Abidjan beschlossen, vor allem die Opfer von Menschenhändlern zu evakuieren. Die Kooperation von Polizei und Geheimdiensten soll verstärkt werden, um gegen Schlepper vorzugehen. 2017 flog die Internationale Organisation für Migration (IOM) 14.000 Menschen aus Libyen aus. Sie will die Zahl in diesem Jahr verdoppeln.

Die meisten Migranten sitzen aufgrund des schlechten Wetters und der zunehmend aktiven libyschen Küstenwache zwischen Tripolis und der tunesischen Grenze auf privaten Farmen fest. Tunesiens Regierung weigert sich, wie 2011 Aufnahmelager nahe dem Grenzübergang Ras Jadir zu eröffnen und die Rückkehrer über die nahegelegene Touristeninsel Djerba auszufliegen.

Wie schwierig die Evakuierung werden wird, zeigen die Kämpfe, die gelegentlich in Westlibyen ausbrechen. Auch der Flughafen Meitiga in Tripolis wird immer wieder gesperrt, wenn die Spannungen zwischen Milizionären eskalieren.

Am Flughafen von Lagos spielen sich derweil tragische Szenen ab. Viele von Folter gezeichnete Rückkehrer warteten vergeblich auf Verwandte, die oft einen Großteil der Ersparnisse für die Fahrt nach Europa investiert hatten. Eine Vertreterin des Roten Kreuzes sagte der Zeitung The Leadership: „Viele Rückkehrer sind von ihren Familien nicht erwünscht, sie haben wie zuvor keinen Job, haben viel Geld verloren und sind meist schwer traumatisiert.“

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Reuters | 06.01.2018

Nigeria starts large scale evacuation of its citizens from Libya

Hani Amara

TRIPOLI (Reuters) – Nigeria is starting flights to evacuate thousands of its citizens from Libya which will continue until all those wanting to return home have done so, its foreign minister said on Saturday.

Nigerians have recently been the largest national group among African migrants traveling to Libya and trying to cross from there to Italy by sea.

Since local armed factions and Libya’s coastguard began blocking more migrants from leaving in July last year, large numbers have been trapped in Libya, where they often face dire conditions and abuse, including forced labor.

The International Organization for Migration (IOM) has in recent months accelerated a “voluntary returns” program to repatriate migrants from a number of countries. Nigeria now joins Niger in organizing bilateral returns.

“The main objective, and we’re very focused on that objective, is to get these Nigerian citizens back home as quickly as possible,” Nigerian Foreign Minister Geoffrey Onyema told reporters during a visit to Tripoli.

”Our president has made available all the resources necessary to repatriate all the Nigerians here.

“We have two planes arriving today and God willing we are hoping to evacuate anything up to 800 Nigerians today.”

Nigeria had been expecting to fly back about 5,500 migrants, Onyema said, but the situation on the ground made the actual number hard to ascertain.

“Some of the difficulties with getting precise numbers is that some are within the control of the central government in camps, some are clearly outside the camps, some are also in less accessible areas where there might not be full central government control and authority,” he said.

Facilitating voluntary returns could also be complicated by lack of access, Onyema said. Criminals involved in smuggling and trafficking migrants “also (have) an interest that a number of them should not be repatriated, because these represent economic assets for them”.

Libya has been in turmoil since a 2011 uprising, with rival governments and armed factions vying for power. Onyema was hosted by the internationally recognized government in Tripoli, which has struggled to assert its authority on the ground.

Slightly fewer than half as many migrants reached Europe by sea in 2017 than 2016, the IOM said on Friday, largely due to a drop in numbers crossing from Libya.

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