16. Januar 2018 · Kommentare deaktiviert für „Drohnen-Tests über dem Mittelmeer: EU-Agenturen ziehen positive Bilanz“ · Kategorien: EU, Mittelmeer · Tags: ,

Netzpolitik | 15.01.2018

Die Grenzagentur Frontex, die Agentur für die Sicherheit des Seeverkehrs und die Fischereiaufsichtsagentur arbeiten in einer neuen Plattform zusammen. Die Einrichtungen sollen von ihren jeweiligen Aufklärungsmaßnahmen profitieren. Ein Pilotprojekt hat die Nutzung von Drohnen, Überwachungsflugzeugen und Satellitenüberwachung untersucht.

Matthias Monroy

Die Europäische Union hat ein Forschungsprojekt zur Nutzung von Satelliten, Drohnen und bemannten Überwachungsflugzeugen beendet. Ein erst kürzlich veröffentlichter Abschlussbericht beschreibt die Ergebnisse von Erprobungen über dem Mittelmeer, dem Atlantik und dem Schwarzen Meer. Die Tests gehörten zum Projekt „Creation of a European Coast Guard Function“, in dem die Grenzagentur Frontex, die Agentur für die Sicherheit des Seeverkehrs (EMSA) und die Fischereiaufsichtsagentur (EFCA) ihre Aufgabenbereiche miteinander verzahnen. Die drei Agenturen arbeiten mittlerweile als neue „Agentur für die Grenz- und Küstenwache“ in mehreren Bereichen zusammen.

Die Tests betrafen die Zuständigkeiten der drei Agenturen, darunter die Meeresverschmutzung, Erkennung und Verfolgung von Schiffen, Seenotrettung, Grenzüberwachung und Fischereikontrolle. Während die EMSA in dem Forschungsprojekt für die Satellitenüberwachung und die Drohnenflüge zuständig war, nutzte Frontex ein Kleinflugzeug mit Aufklärungstechnik.

Videoströme direkt an Frontex

Im Mai vergangenen Jahres wurden zwei verschiedene Drohnen ausprobiert. Zu den Szenarien gehörten die Identifizierung und Verfolgung von langsamen und schnellen Schiffen, das Erkennen von kriminellen Handlungen an Bord (indem „Güter/ Fische/ Drogen“ zwischen zwei Schiffen übergeben werden), Entfernungsmessungen, das Finden von Wasserfahrzeugen in Seenot am Tag oder in der Nacht oder das Aufspüren von über Bord gegangenen Personen.

Eine Abteilung des spanischen Luftfahrtinstituts in der Küstenstadt Huelva koordinierte die Flüge, die bis zu sechs Stunden dauerten. Weil die Drohnen nicht zugelassen sind, flogen sie in eigens reservierten Lufträumen. Die Steuerung in einem Kontrollzentrum erfolgte durch die EMSA, die Videoströme gingen dabei auch direkt an die EFCA und Frontex. Als Metadaten wurden die Position der Drohnen, ihre Bewegung, Hashwerte der Sensordaten, Bilder und Positionsdaten gespeichert. An einer Vorführung nahmen Behörden aus zehn Mitgliedstaaten, die EU-Verteidigungsagentur, das EU-Satellitenzentrum (SatCen) und das EU-Lagezentrum gegen Drogenschmuggel (MAOC-N) teil.

Autonomes Verfolgen von Schiffen verbesserungswürdig

Geflogen wurden Drohnen der Firmen Tekever (ein portugiesisch-französisches Konsortium) und Babcock (eine spanische Firma, die zum Boeing-Konzern gehört). Sie verfügen über eine Spannweite von 6,40 beziehungsweise 2,50 Metern. Beide Drohnen beförderten eine hochauflösende Kamera, ein Infrarotgerät für den Nachtflug und einen Empfänger für Schiffspositionsdaten. Auch die Technik wurde als tauglich bewertet, außer zur Aufklärung seien die Daten auch als Beweismittel verwertbar. Einige Drohnensysteme könnten überdies „akustisch oder visuell unbemerkt“ fliegen. Allerdings sei das Verfolgen von Schiffen verbesserungswürdig. Probleme hätten sich auch bei der Kommunikation der Endnutzer und der Kommandanten der Mission ergeben. Details hierzu enthält der Bericht nicht, womöglich lagen die Bedürfnisse zur Überwachung und die gelieferten Ergebnisse auseinander.

Die drei EU-Agenturen EMSA, EFCA und Frontex bewerten die Tests als positiv: Solange es keine ausreichende Satellitenaufklärung gebe, würden die von Drohnen übermittelten Videos und Standbilder das maritime Lagebild entscheidend ergänzen. Gegenüber Patrouillenschiffen hätten Drohnen eine größere Reichweite, seien Tag und Nacht verfügbar und benötigten im Betrieb kaum Infrastruktur. Außerdem könnten sie über einem bestimmten Gebiet kreisen und dabei Schiffe, Personen, andere Objekte oder Verschmutzungen erkennen. Im Falle verdächtiger Objekte würden diese autonom verfolgt.

35 Boote mit Geflüchteten aufgespürt

Auch die in Spanien, Griechenland und Italien durchgeführten Tests des Überwachungsflugzeugs seien laut dem Bericht positiv verlaufen. Frontex hat bereits 2015 einen Rahmenvertrag für die private Luftüberwachung abgeschlossen und dabei rund 2.500 Flugstunden absolviert. In dem Pilotprojekt wurden drei weitere Verträge abgeschlossen und in Frontex-Operationen im Mittelmeer integriert. Auch die dabei erlangten Aufklärungsdaten wurden an die übrigen Agenturen weitergegeben. In Echtzeit wurden die Videoströme in das Frontex-Hauptquartier in Warschau sowie in Lagezentren im spanischen Vigo sowie Rom übertragen. Frontex nutzte zur Verbreitung außerdem ein Internetportal.

Um die Informationen zu analysieren hat Frontex ein „European Monitoring Team“ (EMT) eingerichtet, dem Behörden zur Strafverfolgungs, Seenotrettung und Fischereikontrolle angehören. Je nach Bedarf werden die entstehenden Daten an andere, zuständige Einrichtungen weitergeleitet. Der Bericht nennt die nationalen Maritimen Koordinationszentren (MRCC), die für die Seenotrettung auf dem Mittelmeer zuständig sind.

Im Gegensatz zu den Drohnenflügen trugen die bemannten Flüge zur tatsächlichen Aufklärung bei der Frontex-Mission bei. Dem Bericht zufolge wurden 35 Boote mit insgesamt 1.200 Geflüchteten an Bord aufgespürt, außerdem ein Zigarettenschmuggel im Wert von 12 Millionen Euro aufgedeckt. In 128 Flugstunden wurde eine mehrmonatige Kontrollaktion der Fischereiaufsichtsagentur unterstützt.

Aufklärungsdaten auf dem Smartphone

Das Projekt „Creation of a European Coast Guard Function“ sollte außerdem die Überwachung aus dem All perfektionieren. Die EMSA und Frontex nutzen Satelliten, um verdächtige Schiffsbewegungen zu erkennen und verfolgen. In den mehrmonatigen Tests wurden an 111 Tagen Aufklärungsdaten erzeugt und an die Koordinierungszentren der Mitgliedstaaten weitergegeben. In 33 Fällen erfolgten daraufhin von dort weitere Überwachungsgmaßnahmen der gemeldeten Vorfälle. In 45 Fällen wurde die EU-Militärmission EUNAVFOR MED mit der Verfolgung der Verdachtsfälle beauftragt.

Die satellitengestützte Schiffsbeobachtung durch die EMSA soll unter anderem erkennen, wenn ausgemusterte große Schiffe für die Beförderung von Geflüchteten genutzt werden. Dem Abschlussbericht zufolge können Schiffe ab einer Länge von acht Metern mit einer „hohen Zuverlässigkeit“ erkannt werden. Größere Schiffe würden automatisch klassifiziert, ebenso Fischfarmen oder Eisberge. Die Aufklärungsdaten können von den Behörden mittlerweile mithilfe einer App über das Smartphone abgerufen werden.

In dem Forschungsprojekt wurden die Beteiligten ermutigt, enger mit Drittstaaten zusammenzuarbeiten. Derzeit errichtet Italien in Libyen eine Infrastruktur, um Überwachungsdaten aus der Europäischen Union zu empfangen. Gut möglich also, dass die Europäische Union zukünftig libysche Milizen, aus denen sich die dortige Küstenwache zusammensetzt, mit Bildern von Drohnen und Satelliten versorgt.

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