24. März 2018 · Kommentare deaktiviert für PEW Report: Faktencheck · Kategorien: Afrika, Lesehinweise

Die Welt und die FAZ berichteten am 22.03. fast schon panisch über eine Studie des PEW Instituts, die am selben Tag veröffentlicht worden ist. Die Welt schrieb:

Neueste Umfragen in afrikanischen Ländern zeigen, dass bis zu zwei Drittel der Einwohner auswandern wollen. Dabei sind nicht allein Not und Terror ein Antrieb, sondern oft Verwandte und Freunde, die schon in Europa sind.

Und dann kommt der Artikel flugs auf die Bevölkerungszunahme im Subsahara-Afrika zu sprechen, die inzwischen zu einem Dauerthema wird: Rund 40 Prozent im Senegal, in Ghana und Nigeria wollen in den nächsten fünf Jahren weg. In Südafrika und Kenia sind es um die 20 Prozent und im Fall von Tansania bislang nur acht Prozent, die ihr Glück schon bald im Ausland versuchen wollen.

Auf den ersten Blick mag das wenig signifikant klingen. Aber in den subsaharischen Ländern leben insgesamt 1,1 Milliarden Menschen. Nimmt man an, dass sich nur zehn Prozent zur Migration nach Europa entschließen, dann wären das immer noch 110 Millionen Menschen. Und die Bevölkerung wächst dort, bei Geburtsraten von bis zu sieben Kindern, rasend schnell. Bis 2050 soll sich die Rate in Afrika verdoppelt haben. „Nahezu das gesamte Wachstum wird in den 51 Staaten der Subsahara stattfinden“, heißt es vom amerikanischen Population Reference Bureau.

Die FAZ berichtete unter dem Titel „Wanderungsbereitschaft wächst dramatisch“ etwas seriöser:

Rund die Hälfte aller Menschen würde in einem anderen Land leben wollen, so sie die Mittel und die Möglichkeiten dazu hätten. In Ghana und in Tansania wären dazu rund drei Viertel bereit. Ein bedeutender Teil der Befragten plant sogar konkret, in den kommenden fünf Jahren ihre Heimat zu verlassen, vor allem im Senegal (44 Prozent), in Ghana (42 Prozent) und in Nigeria (38 Prozent). Geringere Quoten ergeben die Befragungen in Südafrika (22 Prozent), Kenia (19 Prozent) und Tansania (acht Prozent).

Welche Folgen die hohe Wanderungsbereitschaft für die Migrationsströme in Richtung Europa haben wird, ist nach Einschätzung der Analysten schwer zu sagen.

Immerhin. Was aber beide Zeitungsberichte verschweigen, ist die Tatsache, dass die meisten Menschen, wenn sie denn woanders ihr Glück suchen müssen, gar nicht nach Europa wollen (vom Senegal abgesehen), sondern in die USA.

So heißt es in der Studie:

This does not necessarily mean Europe is the top choice of potential sub-Saharan African migrants. In fact, in several of the countries surveyed by Pew Research Center, those planning to migrate more often cited the U.S.,as opposed to Europe, as their preferred destination when asked where in the world they planned to move.

Und die wenigsten wollen nach Deutschland:

In terms of destinations, as of 2017, nearly three-quarters (72%) of Europe’s sub-Saharan immigrant population was concentrated in just four countries: the UK (1.27 million), France (980,000), Italy (370,000) and Portugal (360,000).

Die Zusammenfassung der Studie lautet also: Wenn sie die Mittel und die Gelegenheit dazu hätten, würde ein großer Teil der Menschen im subsaharischen Afrika gern in den USA leben.

Alles andere ist Propaganda.

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