04. Mai 2018 · Kommentare deaktiviert für Libysches Flüchtlingslager Zuwara: Krätze, Hunger, Enge · Kategorien: Libyen · Tags: , ,

ARD Tagesschau | 05.05.2018

Die Lage im libyschen Flüchtlingscamp Zuwara ist katastrophal, warnen „Ärzte ohne Grenzen“. Sie appellieren an die internationale Gemeinschaft, den Flüchtlingen zu helfen.

Von Nina Amin, ARD-Studio Kairo

Katastrophale Zustände in einem völlig überfüllten Internierungslager, so beschreibt Karline Kleijer, die Leiterin des medizinischen Programms in Libyen von der Hilfsorganisation „Ärzte ohne Grenzen“ die Lage in Zuwara. Dort befindet sich eins der Auffanglager für die meist afrikanischen Flüchtlinge und Migranten. Rund 800 Menschen seien in dem Lager seit Monaten festgehalten worden, sagt die Projektleiterin.

„Manche Leute waren dort seit mehr als fünf Monaten“, so Kleijer. „Auch Kinder und schwangere Frauen. Manche sind einen Monat lang nicht raus aus diesen schrecklichen Zellen gekommen, manche sogar noch länger nicht. Es gab Krätze. Die Menschen hatten zu wenig zu Essen und zu Trinken.“

Es kommen immer mehr Menschen

Mitarbeiter von „Ärzte ohne Grenzen“ sind Mitte April in das Internierungslager nach Zuwara gereist, nachdem Flüchtlinge ihnen von den Zuständen vor Ort berichtet hatten. Die Küstenstadt liegt etwa 120 Kilometer westlich der libyschen Hauptstadt Tripolis.

Zwar habe man Einzelnen helfen können, trotzdem verschlechtere sich die Situation vor Ort Tag für Tag, so Kleijer. „Das Problem war: Seit wir dort hingegangen sind, kamen immer mehr Menschen“, berichtet sie. „Während wir erfolgreich organisiert haben, dass die IOM (Internationale Organisation für Migration) und andere Flüchtlingsorganisationen Leute dort herausgeholt haben, kamen immer wieder neue Leute. Sie waren vorher bei Schmugglern untergebracht und sonst wo.“ Mehr als 500 weitere Menschen seien seitdem ins Lager gebracht worden.

Aus dem Blick der internationalen Gemeinschaft

Die Hilfsorganisation „Ärzte ohne Grenzen“ appellierte an die libyschen Behörden, die EU und die internationale Gemeinschaft, den Flüchtlingen und Migranten in Zuwara zu helfen. Viele hätten schon bevor sie in das Lager kamen, massive Gewalt erfahren, seien ausgebeutet worden und hätten Hunger und Durst erlitten, warnte die Projektleiterin. „Die Internierungslager in Tripolis sind schon unzureichend für die Versorgung der Menschen.“

Zuwara sei für viele Hilfsorganisationen und für EU-Abgesandte nicht zu erreichen ist, weil die Sicherheitslage es nicht zulasse. So habe niemand das Lager im Blick. „Deswegen ist die Lage dort viel schlimmer als in Tripolis.“

Viele Afrikaner stranden in Libyen auf ihrem Weg nach Europa. Die Zustände in den Lagern waren in der Vergangenheit immer wieder von Hilfsorganisationen und Flüchtlingshelfern kritisiert worden. Deutsche Diplomaten sprachen von KZ-ähnlichen Zuständen. Ende vergangenen Jahres versprach der libysche Ministerpräsident Fajis al-Sarradsch, künftig umfassend mit internationalen Institutionen zusammenzuarbeiten, um das Leiden der Menschen in den Lagern zu beenden.

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Ärzte ohne Grenzen | 04.05.2018

Unmenschliche Zustände im Internierungslager in Zuwara

Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen ist äußerst besorgt über die Haftbedingungen in einem Internierungslager in der westlibyschen Küstenstadt Zuwara. Einige der 800 dort eingeschlossenen Männer, Frauen und Kinder werden schon seit mehr als fünf Monaten unter unmenschlichen Bedingungen ohne angemessene Versorgung mit Lebensmitteln und Wasser willkürlich festgehalten. In dem Internierungslager leben derzeit vier Mal mehr Menschen, als beim Bau maximal vorgesehen waren. Die Inhaftierten haben kaum noch Platz, sich am Boden hinzulegen.

„Die Situation ist kritisch“, beschreibt Karline Kleijer, die Leiterin der zuständigen Projektabteilung von Ärzte ohne Grenzen. „Wir fordern alle internationalen Organisationen in Libyen, die Vertreter der Herkunftsländer der Menschen und die libyschen Behörden dringend auf, alles in ihrer Macht Stehende zu tun, um in den nächsten Tagen eine Lösung für diese Menschen zu finden.“

Situation verschlechtert sich täglich

Die Situation verschlechtert sich mit jedem Tag. Immer mehr Flüchtlinge, Migranten und Migrantinnen werden willkürlich eingesperrt. Seit dem 18. April, als das medizinische Team von Ärzte ohne Grenzen seine Arbeit in Zuwara aufgenommen hat, wurden mehr als 500 weitere Menschen dort inhaftiert, obwohl das Lager bereits zuvor überfüllt war.

Am Dienstag hatte das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) 88 Menschen aus Zuwara ausgeflogen. Sie wurden in ein Internierungslager in Tripolis gebracht, wo die verletzlichsten Menschen identifiziert werden sollen, die Hilfe außer Landes brauchen und ausgeflogen werden müssen. Auch die libyschen Behörden haben einige Menschen aus dem völlig überfüllten Lager in Zuwara in andere Internierungszentren gebracht. Zudem startete die Internationale Organisation für Migration (IOM) einen Prozess mit dem Namen „Freiwillige humanitäre Rückkehr“ für einige der Inhaftierten. Doch es sind noch immer Hunderte von Menschen im Internierungslager, für die keine Lösung in Sicht ist.

Symptome von Mangelernährung

Viele der Flüchtlinge, Migranten und Migrantinnen und Asylsuchenden in Zuwara waren bereits vor ihrer Inhaftierung massiver Gewalt und Ausbeutung in Libyen und auf ihrer Fluchtroute ausgesetzt. Manche Menschen zeigten bereits bei ihrer Aufnahme Symptome von Mangelernährung, nachdem sie zuvor von Schleppern festgehalten worden waren.

„Ärzte ohne Grenzen fordert ein Ende der willkürlichen Inhaftierung von Flüchtlingen, Migranten und Migrantinnen und Asylsuchenden in Libyen“, so Kleijer.

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