26. Januar 2015 · Kommentare deaktiviert für Jugendbewegungen in der arabischen Welt – Rezension · Kategorien: Rezensionen · Tags:

Buchbesprechung

Jörg Gertel, Rachid Ouaissa (Hg.)
Jugendbewegungen
Städtischer Widerstand und Umbrüche in der Arabischen Welt
Bielefeld (Transcript) 2014, 400 S. 19.90 €

Das Buch beruht auf einer Zusammenarbeit der Mittelost-Insitute Leipzig und Marburg. Es enthält, anschließend an die Einleitung und zwei einführende Beiträge, Fallstudien zu Jugendbewegungen in Nordafrika und dem „Nahen Osten“. Diese schließen sich in mancher Hinsicht an die Hypothesen von Asef Bayat an (Leben als Politik). Von Bayat stammt auch einer der einleitenden Aufsätze. Die Fallstudien sind durchdrungen von persönlichen Eindrücken der Autor*innen, sie beruhen auf Forschungsaufenthalten in den betreffenden Regionen. Aufgelockert und ergänzt wird das Buch durch beeindruckende Bilder, welche den Text passgenau ergänzen. Zudem sind die Autor*innen erkennbar um Verständlichkeit bemüht, und das macht die Lektüre nicht nur für Fachgelehrte zu einer Bereicherung.

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06. November 2014 · Kommentare deaktiviert für Düstere Ursprünge der Festung Europa: Hinweise · Kategorien: Deutschland, Hintergrund, Italien, Rezensionen

Die informellen Gremien und Institutionen, die die Festung Europa konzipierten, entstanden als Organe der Repression gegen die Aufstände in Italien um 1977. Die Bundesrepublik Deutschland übernahm in der europäischen Neuformierung eine Vorreiterrolle. Dabei dürfte selbst das heutige Verhältnis zwischen italienischer Marine (Operation „Mare Nostrum“), Frontex und deutschen Vorgaben historisch belastet sein: Die Wehrmacht versenkte im September 1943 Schiffe, auf denen sich italienische Soldaten vom Krieg absetzen wollten – 20.000 italienische Soldaten ertranken auf der Flucht.

Aus der Rezension (Helmut Dietrich) des Buchs

Petra Terhoeven
Deutscher Herbst in Europa
Der Linksterrorismus der siebziger Jahre als transnationales Phänomen
Oldenbourg Verlag: München 2014. 712 Seiten. € 59,95

Rezension Dietrich, Terhoeven

„[…] Interessant bleibt auf jeden Fall der Hinweis auf die Europäisierung der Repression durch EG-Gremien und die intergouvernamentale Zusammenarbeit. Im Hintergund der blutigen Niederschlagung der revoltierenden Bewegungen in Italien in den späten 1970er Jahren formierte sich eine Politik der Europäischen Gemeinschaft, die später – auch in personeller Kontinuität – für den zehntausendfachen Tod an der EU-Außengrenze verantwortlich wurde.

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18. September 2014 · Kommentare deaktiviert für Doppelrezension zu Mali – izindaba · Kategorien: Mali, Rezensionen

http://izindaba.info/

Doppelrezension zu Mali

Von: uMlungu

  • Georg Klute: Tuareg-Aufstand in der Wüste; Ein Beitrag zur Anthropologie der Gewalt und des Krieges; Köln 2013; 696 S.; 68.- €
  • Berhard Schmid: Die Mali-Intervention; Befreiungskrieg, Aufstandsbekämpfung oder neokolonialer Feldzug?; Münster 2014; 158 S.; 15.- €

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14. September 2014 · Kommentare deaktiviert für Rezension: Silvia Federici, Caliban und die Hexe · Kategorien: Lesehinweise, Rezensionen

Frauen, der Körper und die ursprüngliche Akkumulation

übersetzt von Max Henninger.
Wien (Mandelbaum) 2012
(Englische Ausgabe: Autonomedia 2004)
316 S., 26.90€

federiciSilvia Federici hat ein ganz außergewöhnliches Buch über die Subsumtion der Menschenkörper, der Reproduktion und der Arbeitskraft unter das Kapitalverhältnis geschrieben – über einen Prozess, der als Krieg gegen das Rebellische und als Krieg gegen die Frauen überzeugend dargestellt wird. Wir könnten dieses Buch als quasi zweiten Band zu Robert Bartlett´s Making of Europe lesen: Bartlett beschreibt das mittelalterliche Europa als Produkt der Gewalt des fränkischen Adels gegen die Kelten, die Sachsen und auf den Kreuzzügen. Federici beschreibt das neuzeitliche Europa als Produkt der Gewalt gegen den revolutionären Aufbruch der Unterschichten im späten 13. Jahrhundert, einer zunehmend sich verstaatlichenden Gewalt, die dem globalen Kapitalverhältnis im andauernden Krieg gegen die Bauern, gegen die Frauen und gegen die Kolonisierten zum Durchbruch verhilft. Der Staat konstituiert sich durch die Monopolisierung dieser Gewalt als Verwalter der Bevölkerungen, der Klassenverhältnisse und der Reproduktion der Arbeitskraft. Es ist diese Gewalt, der nichts heilig ist, die als konstitutiv und wesentlich für den europäischen Sonderweg begriffen werden muss – nicht nur als Geburtshelfer des Kapitals, wie Marx es in seinem berühmten Kapitel über die Ursprüngliche Akkumulation beschrieben hat, sondern als immanente Dimension des europäischen Rationalismus.

Aber der Reihe nach. Federici setzt in guter operaistischer Tradition die Revolte vor die Reaktion, und sicherlich ist die Brutalität, mit welcher die herrschenden Klassen, ein bigottes Bündnis von Adel, Bürgertum und Klerus, die Ursprüngliche Akkumulation in Gang brachten, nicht zu verstehen ohne die Vorgeschichte, dass die Entwicklung Europas am Ende des 14. Jahrhunderts an einem Scheideweg stand. Die Revolution war möglich, wie wahrscheinlich nie mehr seit diesem Zeitpunkt.

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28. Mai 2014 · Kommentare deaktiviert für „Black Morocco“ – El Hamel (Rezension) · Kategorien: Hintergrund, Lesehinweise, Marokko, Rezensionen · Tags:

C. El Hamel: Black Morocco

Diese Rezension wurde redaktionell betreut von: Julia Tischler <julia.tischler@asa.hu-berlin.de>

Beiträger Zehnle, Stephanie <zehnle@uni-kassel.de>

Autor(en): El Hamel, Chouki
Titel: Black Morocco. A History of Slavery, Race, and Islam
Reihe: African Studies 123
Ort: Cambridge
Verlag: Cambridge University Press
Jahr: 2014
ISBN: 978-1-107-65177-7
Umfang/Preis: 354 S.; £19.99 / € 27,57

Rezensiert für H-Soz-u-Kult von:
Stephanie Zehnle, Neuere und Neueste Geschichte, Universität Kassel
E-Mail: <zehnle@uni-kassel.de>
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25. Mai 2014 · Kommentare deaktiviert für „Cityness in Africa – Anmerkungen zu AbdouMaliq Simone“ (Bergmann) · Kategorien: Lesehinweise, Rezensionen

W. Bergmann

Cityness in Africa

Anmerkungen zu den Texten von AbdouMaliq Simone

„Verlassen wir dieses Europa, das nicht aufhört, vom Menschen zu reden, und ihn dabei niedermetzelt, wo es ihn trifft, an allen Ecken seiner eigenen Straßen, an allen Ecken der Welt. Ganze Jahrhunderte hat Europa nun schon den Fortschritt bei anderen Menschen aufgehalten und sie für seine Zwecke und seinen Ruhm unterjocht; ganze Jahrhunderte hat es im Namen seines angeblichen ‚geistigen Abenteuers‘ fast die ganze Menschheit erstickt…. Also, meine Kampfgefährten, zahlen wir Europa nicht Tribut, in dem wir Staaten, Institutionen und Gesellschaften gründen, die von ihm inspiriert sind.
Frantz Fanon, Die Verdammten dieser Erde

Warum interessiere ich mich für das Leben in Kinshasa, obwohl ich kein Afrikanist, kein Urbanist und kein Entwicklungshelfer bin? Mit dem Voyeurismus der Slum-Touristen hat es etwas gemein, nämlich Neugier. Aber vor allem anderen geht es mir, wenn ich mich für die Neuzusammensetzung der Subjektivität in einer afrikanischen Metropole interessiere, um ein neues Terrain der Kämpfe im globalen Kapitalismus. Das Kapital des 19. und 20. Jahrhunderts kolonisierte und vernichtete die Bauern und nationalisierte / normierte / rationalisierte gleichzeitig die metropolitanen Gesellschaften. Jetzt, im frühen 21. Jahrhundert, subsumiert das Kapital nicht nur die Gesellschaft, nicht nur die normierten Subjekte, sondern auch die Subjektivität der Einzelnen als Produktivkraft und eröffnet damit ein neues Terrain für den prozessierenden Widerspruch zwischen Wert und Nicht-Wert, zwischen der werthaltigen metropolitanen Subjektivität und den peripheren Störkräften, die eine Subjektivität des Nicht-Werts entfalten könnten. Dass dies eine Antwort auf die epochale Krise der industriellen Wertschöpfung und der Moderne ist, soll hier nicht weiter erörtert werden. Der neue Antagonismus hat seinen Ort in den Köpfen der Menschen hier wie dort, wie auch in der Ausbildung sozialer Gegenwelten auf den drei Kontinenten. Es geht also zugleich um neue Subjektivität und um neue Formen sozialer Bewegungen im globalen Kapitalismus. Ich halte an der Auffassung fest, dass das Kapital ein (globales) soziales Verhältnis ist, mit zahlreichen unterschiedlichen Facetten und Kriegsschauplätzen. Es gibt kein Außerhalb mehr. Einer dieser Kriegsschauplätze ist Kinshasa.

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05. April 2014 · Kommentare deaktiviert für Défendre l’Europe · Kategorien: Marokko, Rezensionen, Spanien · Tags:


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Les traditions de la Guardia Civil

Selon la Garde Civile espagnole et les forces de police, la sécurité de l’Europe est assurée par les barrières de Ceuta et de Melilla – qui permettent de contrer les migrants subsahariens, mais également de limiter la liberté de circulation de la population maghrébine sur la mer Méditerranée. La distinction entre migrants à accueillir et migrants à refouler implique un racisme différentiel ou le présuppose tout simplement. Il ne s’agit pas uniquement de couleur de peau, mais d’un système de valeurs que l’on défend et dont sont exclus les migrants, car leur exclusion fait elle-même partie de ce système.
L’abrogation de ce système de valeurs semble donc être une condition nécessaire pour permettre la circulation des personnes en toute liberté. Ce changement doit venir également de l’intérieur, et il ne peut faire l’impasse sur un retour historique, car seul ce retour peut nous révéler les accords tacites qui font partie, aujourd’hui comme hier, d’un tel système. C’est une raison qui nous amène à parler d’un livre traitant de « l’holocauste espagnol » dans le contexte des évènements actuels aux frontières de Melilla.
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