Wie die Wochenendausgabe der französischen Zeitung „L’Humanité“ schreibt, ist Annie-Rey Goldzeiguer 94-jährig gestorben. Geboren in Tunis, Studium in Algier, Aktivistin des antifaschistischen und anschließend des antikolonialistischen Widerstands, hat sie ihre wissenschaftliche Arbeit der Geschichte Algeriens gewidmet. Ihr Vater war geflüchteter Jude aus Odessa, wurde von den Nazis in das KZ Sachsenhausen eingeliefert und starb während des Prozesses der deutschen Besatzergerichtsbarkeit gegen ihn in Paris.

Unter ihren zahlreichen Veröffentlichungen ragen zwei Schwerpunkte heraus: Zum einen konzentrierte sie sich auf die 1860er Jahre, als die französische Kolonialherrschaft die algerischen Sozialstrukturen mit Zwangsmaßnahmen und mit Massakern gänzlich zu zerschlagen versuchte. Zum anderen lieferte sie Analysen zum antikolonialistischen Widerstand, deren soziale Bestandteile sie folgendermaßen aufteilte: 1. Autodidaktische Aufstandsbewegungen auf der Straße, 2. Politische Gruppen, 3. Techniker des Kriegs (Teilnahme am 2. Weltkrieg und am Indochinakrieg).

Sie gehörte jahrzehntelang zu den Kritiker*innen, die vom französischen Staat die Offenlegung der Kolonialarchive und die Verfolgung der franzöischen kolonialistischen Kriegsverbrecher forderte.

 

Algerien, antikolonialistische Geschichtsschreibung: Annie-Rey Goldzeiguer gestorben

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