Seit der eritreische Präsident Isaias Afwerki im September 2018 die Grenzen öffnete und andeutete, den lebenslangen Militärdienst aufzulockern, geht die Anzahl von in Europa ankommenden Eritreer*innen zurück. Dass das aber nicht an weniger Flüchtenden liegt, sondern nur an neuen Migrationsrouten, erklärt der Frontal 21-Beitrag (ZDF) Flucht aus Eritrea – Die Doppelmoral der EU vom 04.06.2019.

 

Tatsächlich ersuchen seit der Öffnung des Landes weniger Eritreer in Deutschland Asyl. Die Zahlen sind im Vergleich zum Vorjahr auf die Hälfte gesunken. Doch der Schein trügt. Derzeit fliehen nicht weniger Menschen aus Eritrea, sondern immer mehr. Seit der versprochenen Wende haben sich die Flüchtlingszahlen verdoppelt. […]  Richtig ist: Nach Europa zu gelangen, ist für sie viel schwieriger geworden. Der Grund: Die Route über Sudan und Libyen wurde dicht gemacht. Die EU hat mit Sudan ein Abkommen geschlossen und Grenzschützer ausgebildet – sie sind die neuen Türsteher Europas.
Flucht aus Eritrea – Die Doppelmoral der EU │ 04.06.2019

Die neuen Migrationsrouten führten vielmehr in den Süden, auch bis nach Uganda. Doch sie gehen sogar noch weiter, bis auf dem amerikanischen Kontinent.

Recherchen zeigen: Eritreische Schleuserbanden, die vorher in Sudan und Libyen aktiv waren, finden jetzt ihre Kunden in Uganda. Von hier aus haben sie neue Routen etabliert – mit dem Flugzeug um die halbe Welt. O-Ton Zecarias Gerrima, stellvertretender Direktor Menschenrechtsorganisation „African Monitors“:  Eritreische Flüchtlinge werden jetzt bis nach Nordamerika geschleust. Sie fliegen von afrikanischen Flughäfen zuerst nach Südamerika – zum Beispiel Uruguay. Von dort geht es weiter mit dem Auto. Weil sie Kontrollen meiden müssen, kann das Monate, sogar Jahre dauern.
Flucht aus Eritrea – Die Doppelmoral der EU │ 04.06.2019

Mit den neuen Routen reagieren sowohl Migrant*innen als auch ihre Schleuser*innen auf die europäische Migrationsbekämpfung mit Polizei, Militär und Milizen im Sudan und in Libyen. Die Folge ist, dass die Schutzsuchenden, die Folter und der Versklavung im Militärdienst zu entgehen versuchen, auf teurere,  längere und schwierigere Routen ausweichen. Je länger und komplizierter die Migrationswege werden, desto mehr sind Migrant*innen auf Fluchthilfe angewiesen und desto mehr Geld kostet die Migration. Ob es aber gerechtfertigt ist, von „Schleuserbanden“ zu sprechen, wie das ZDF es tut, darf bezweifwelt werden.

Eritrea: zusätzliche Fluchtrouten, seit der Weg in die EU schwieriger geworden ist