Hundreds of migrants have been sleeping outside the Tajoura detention centre for fear of another attack.

by Sally Hayden

Survivors of the deadly air strikes on a migrant detention centre in Libya that killed at least 60 people have protested and asked for urgent evacuation.

Since the attack on Tuesday evening, hundreds of migrants and refugees from Sudan, Ethiopia, Eritrea, Somalia and other countries have been sleeping outside the Tajoura detention centre, in east Tripoli, reluctant to return inside for fear of another attack. […]

Bild: Al JazeeraSix survivors still in Tajoura, communicating with Al Jazeera using hidden phones and wishing to remain anonymous, said some migrants were staging a hunger strike.

„We haven’t eaten since yesterday morning. We are fasting… until they make a decision,“ said one man.

„We don’t need food. The only solution is to get us out of here. We need evacuation to a safe place.“ […]

The refugees and migrants set up mattresses outside the detention centre after the attack [Al Jazeera]
They added that on Thursday, the guards tried to make them go back inside halls that were close to the weapons storage area, threatening to call fighters to force them inside if they did not comply.Communicating through Facebook, a spokesperson for the Tajoura detention centre confirmed the detainees had refused to move inside but denied there was a weapons store near it.Al Jazeera was sent a recording in which Libyan guards can be heard shouting at the refugees and migrants to get inside.“The cell they want [to] lock us in is connected to three weapons store,“ said a Sudanese refugee.“As a human being, how can you put people in cells near weapons? We don’t need to stay in Tajoura, please help us, world,“ said another man. […]

On Saturday morning, survivors also told Al Jazeera they could hear further air attack in the distance.

„This morning, we could hear air strikes taking place about 400 to 500 metres from us. [The targets were hit] four times, so we are scared,“ said an Eritrean man. „The jets are still flying around us so we can’t understand why the UN refugee agency did not take immediate action of evacuating us to a safe place.

„Now we expect death only.“

Another Sudanese man said they could hear heavy weapons being used around them.

„We’re still on a hunger strike and nobody cares about us. We are still waiting in the heat. Our brothers are dead, why is no one answering?“

The refugees and migrants have urged the UNHCR to evacuate them from the detention centre [Al Jazeera]

Al Jazeera | 07.07.2019

:::::

Die TAZ 08.07.19 berichtetüber das Lager:
Nach dem Angriff auf internierte Migranten wollen viele das Land noch dringender verlassen. Die Boote der Schlepper werden immer voller.

die Halle liegt neben einem Militärgelände, das schon zu Gaddafis Zeiten von Einheiten des Innenministeriums genutzt wurde. Nun herrscht hinter den hohen Mauern die Athman-Miliz. Die Gruppe steht den Islamisten der Ansar Scharia nahe sowie dem Schura-Rat aus dem ostlibyschen Bengasi. Die Bengasi-Schura war Haftars Hauptgegner im dreijährigen Krieg in Bengasi und floh nach Haftars Sieg nach Tripolis.
Milizen wie Athman sind also Priorität für Haftars Luftwaffe. Ihnen galt der Angriff vom 3. Juli. Die Milizen haben aber auch Migranten aus Tajoura für Reinigungs- und Reparaturarbeiten eingesetzt, auch zum Ausheben von Schutzwällen, bestätigen westafrikanische Migranten der taz.
Die 100 Meter lange und 20 Meter breite Halle, in der die Migranten festgehalten waren, liegt am südlichen Ende des von einer Mauer umgebenen Komplexes. Die von einem Kampfflugzeug abgeschossene erste Rakete gegen zwei Uhr morgens verfehlte sowohl Milizen als auch Migranten und schlug in einem Gebäude 100 Meter weiter ein. Da das Geräusch des Flugzeugs weiter am Himmel zu hören war, versuchten viele Menschen, aus der Halle zu fliehen.
„So etwas habe ich noch nicht gesehen“
Es ist unklar, wer sie in dem Chaos zurückdrängte – die Miliz oder die auch auf dem Gelände stationierte Antimigrationspolizei des Innenministeriums. Doch Minuten nach der ersten Rakete zerriss eine noch größere Explosion die Nacht. Durch das Dach fiel ein Geschoss fast senkrecht in das südliche Ende der Halle, genau dort, wo Frauen und Kinder untergebracht waren.
Die Zahl der Toten wurde zwar offiziell mit 44 angegeben, doch viele Helfer berichten der taz, dass niemand weiß, wie viele es tatsächlich sind. Von vielen Opfern wurden nur Arme oder Beine gefunden. „Ich arbeite seit 2011 an der Front, aber so etwas habe ich noch nicht gesehen“, so al-Farasch.
130 Menschen erleiden teils schwere Verbrennungen, sie irrten stundenlang über das Gelände, berichtet ein Migrant aus Eritrea der taz am Telefon. Dabei eröffneten Bewaffnete auf sie das Feuer.

Mehr und vollere Boote
(An den Stränden von Garabulli östlich von Tajoura oder Richtung Westen, in Zuwara an der tunesischen Grenze) warten jetzt wieder Tausende auf die Abfahrt. Die Schmuggler kommen mit der Lieferung der Gummiboote, die aus der Türkei oder China über libysche Containerhäfen geliefert werden, kaum nach. Schon mit 110 Menschen sind die mit Holzbrettern verstärkten Boote hoffnungslos überladen. Nun zwingen die Schlepper bis zu 200 Menschen in die oft nur aus drei Luftkammern bestehenden, acht Meter langen Boote.

Nach der Bombardierung des Lagers in Tajoura legen jetzt mehr Boote ab als vorher… Viele fahren ohne Funkgeräte oder Kompass los. „Wen wir nicht finden, der hat keine Chance zu überleben. Ohne Wasser, ohne ausreichend Benzin und ohne Orientierung drehen die Leute nach zwei Tage auf dem Meer durch und durch Panik sinkt das Boot. Wir finden immer wieder Überreste solcher Unglücke.“
Der Angriff von Tajoura hat die Sicht der Entscheidungsträger in Tripolis auf Migration geändert. Libyens Innenminister Fathi Bashaga droht nun sogar, die Forderungen von UNO und humanitären Helfern zu erfüllen und alle 6.000 in Westlibyen gefangenen Migranten freizulassen, „da man nicht mehr für ihre Sicherheit sorgen kann.“

TAZ 08.07.19

„Hungerstreik: Survivors of deadly air attack in Libya demand evacuation“