Das Alarmphone kann die Boat People, die von Libyen aus auf die Gummiboote gebracht werden, nicht selbst retten. Sie sind auf die Seenotrettung angewiesen. Derzeit gibt es aber nur die Mare Jonio und das kleine Flugzeug Moonbird, das von Malta aus startet.

Für Rufe aus Seenot hat das Alarmphone derzeit keine Ansprechpartner. Sie können das MRSS Rom anrufen oder Malta, und werden von dort an die libyschen Milizen verwiesen. Ertrinken oder zurück in die Libyschen Lager?

Wir dokumentieren hier die Erklärung von Alarmphone. Es herrscht Verzweiflung.

Minitti und Salvini haben diese Situation bewusst herbeigeführt, und Salvini hat sie kommentiert:

Italy’s Minister of Interior, Matteo Salvini, said in a tweet via his official page that an inflatable boat about 70 people intercepted yesterday afternoon north of Khoms, taken over by the Libyan Coast Guard.

He concluded, “For the traffickers of human beings the free ride is over! #StopInvasion” (The Libyan Adress)

Necropolitics in action. #Seebrücke, die vielen empörten Menschen, müssen helfen, nach den Verantwortlichen zu fragen und einzuschreiten. Während Trudeau sich für die Vorgänge von 1938 entschuldigt, geschehen unter den Augen der Öffentlichkeit zynisch inszenierte Grausamkeiten.

Folter in Libyen oder Tod auf See – Die zwei Alternativen für die 100 Personen, die gestern das Alarmphone alarmierten

Gestern Abend, am 7. November 2018, erhielt das Alarmphone einen direkten Anruf um 18.18 Uhr MEZ von einem Mann auf einem Boot vor der Küste Libyens. Er sagte, dass sie etwa 100 Menschen auf dem Schlauchboot seien, darunter mehrere Frauen und Kinder, die dringend gerettet werden mussten. Sie waren bereits in der Nacht zuvor aufgebrochen und über 19 Stunden auf See, als sie uns anriefen. Später haben wir ihre GPS-Position erhalten und blieben mit ihnen bis heute Morgen um 4.06 Uhr MEZ telefonisch in Kontakt.

Wir haben die europäischen Behörden wiederholt über die dringende Notsituation der Menschen auf dem Boot informiert. Wir haben uns sowohl an die italienische als auch an die maltesische Küstenwache gewandt. Das italienische MRCC hat sich wiederholt seiner Verantwortung entzogen und behauptet, die libyschen Behörden für die „Rettung“ der Migranten seien verantwortlich. In diesem Fall würde die „Rettung“ der 100 Menschen die Rückkehr nach Libyen zu den Haftbedingungen, zu Folter, Erpressung und sexueller Gewalt bedeuten – Bedingungen, vor denen sie versuchen zu fliehen. Wir haben eine zivile Rettungs-NGO kontaktiert, die jedoch nicht nah genug an dem Boot in Not war, um die Menschen aufzunehmen.

Vor einigen Stunden, um 7.46 Uhr MEZ, informierte uns das MRCC Rom, das Boot sei von der libyschen Küstenwache gefunden und gerettet worden. Wir haben keine andere Quelle, um diese Informationen zu bestätigen. Das zivile Aufklärungsflugzeug Moonbird fliegt derzeit über das Gebiet, um zu sehen, ob es Spuren dieses oder anderer Boote zu dokumentieren gibt.

Aber was kann ein Zivilflugzeug tun, außer zu dokumentieren, dass Boote kentern oder nach Libyen zurückgeschleppt werden?

Wir fordern die europäischen Behörden nachdrücklich auf, Verantwortung zu übernehmen und Such- und Rettungsaktionen durchzuführen. Es gibt viele Rettungsschiffe, die eingesetzt werden könnten. Was aber fehlt, ist der politische Wille im aktuellen rassistischen Klima gegen Migrant*innen.

Europa hat den libyschen Behörden das Mandat erteilt, Menschen in Not auf hoher See zu entführen. Wir finden keine Worte für die Perversität der Situation – Folter oder Tod scheinen die einzigen Möglichkeiten für Menschen zu sein, die Sicherheit in Europa suchen.

Verzweiflung im zentralen Mittelmeer