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Aktuelles

  • Weltweit gehen die Staaten mit enormen Haushaltsmitteln gegen die soziale wie gesundheitspolitische Corona-Krise vor. Ärmere Staaten des globalen Südens erhalten Transfer-Spritzen aus dem Norden. Das französische Außenministerium geht davon aus, dass die Staaten des Sahel und auch Zentralafrikas diese finanziellen und medizinischen Mittel nicht an die Bevölkerung weiterleiten werden und befürchtet eine „Implosion“ dieser Staaten. Es spricht von einem bevorstehenden „Schock, ausgelöst durch den Covid-19“. Unter der „fehlgeleiteten“ Bevölkerung würden sich Sympathien für einen allgemeinen Aufstand gegen ein angebliches „Komplott“ der Herrschenden ausbreiten. Das französische Ministerium sucht bereits nach Partnern für die Zeit nach dem Staatenkollaps und identifiziert diese derzeit in religiösen, kulturellen und migrantischen Formationen. Dortige NGOs der Entwicklungszusammenarbeit werden offensichtlich nicht als systemrelevant eingestuft. Dieses Szenario des französischen Außenministeriums greift der offiziöse Thinktank „Centre d’analyse, de prévision et de stratégie“ (CAPS) auf, in einem Kurzbericht unter dem Titel: „Der Pangolin-Effekt: Zieht der Sturm in Afrika auf?“ („L’effet pangolin : la tempête qui vient en Afrique ?“). Die Zeitung „La Tribune“ fasst den Bericht am 01.04.2020 zusammen und zitiert: „Die meisten afrikanischen Staaten werden ‚massiv ihre Unfähigkeit demonstrieren, die eigene Bevölkerung zu schützen. Diese Krise könnte die letzte Stufe der Volksbewegungen [?] gegen den Staat sein, der bereits keine Antwort auf die ökonomischen, politischen und sicherheitsbezogenen Krisen hatte‘, meint das Außenministerium.“ („La plupart des Etat africains vont faire „massivement la preuve de son incapacité à protéger ses populations. Cette crise pourrait être le dernier étage du procès populaire contre l’Etat, qui n’avait déjà pas su répondre aux crises économiques, politiques et sécuritaires“, souligne le Quai d’Orsay.“) Und weiter: „Die unvermeidliche Veruntreuung öffentlicher Güter (beginnend mit den Gesichtsmasken) und der angekündigten internationalen medizinischen Hilfe (die bereits als ‚Covid-business‘ denunziert wird) kann leicht zum endgültigen Verlust der Glaubwürdigkeit der Führungspersönlichkeiten führen.“ („L’immanquable détournement de biens publics (à commencer par des masques) et de l’aide sanitaire internationale à venir (déjà dénoncée sous le terme « Covid-business ») peut facilement cristalliser l’ultime perte de crédit des dirigeants.“) Aus dem Milieu der französischen Militär- und Friedensforschung könnte diese Einschätzung bestätigt werden: Zwei Berichte, auf die uns die „Informationsstelle Militarisierung“ (IMI) dankenswerterweise aufmerksam gemacht hat, bescheinigen dem französischen wie internationalen Militäreinsatz im Sahel ein katastrophales Scheitern. Einsatzleitend sei nach wie vor die über 100 Jahre alte französische Tradition der kolonialistischen Aufstandsbekämpfung, die einen politischen Scherbenhaufen angerichtet habe. Denis M. Tull, Forscher am „Institut de Recherche Stratégique de l’Ecole Militaire“, hat am 11.02.2020 seinen diesbezüglichen Bericht unter dem Titel veröffentlicht: „The European Union Training Mission and the Struggle for an New Model Army in Mali“. Bruno Charbonneau hat einen aufschlussreichen Artikel unter dem Titel „Counterinsurgency governance in the Sahel“ in der Zeitschrift „Bulletin Franco Paix“, vol. 5 no. 1, im Januar 2020 geschrieben. Um einen Eindruck von der Wut zu vermitteln, die sich derzeit im Sahel ausbreitet, posten wir hier ein Gedicht von Karim Akouche, veröffentlicht am 31.03.2020 aufdem Internetportal tamoudre: Taisez-vous, Messieurs les puissants ! On ne tue pas un virus avec un avion furtif. Arrêtez de blablater. Nous ne sommes pas en guerre, mais en hébétude. À cause de vos bêtises. Taisez-vous ! Vos missiles, vos muscles, vos discours sont inutiles. Vous êtes plus vains que les nains de jardin, plus fragiles qu’un bataillon de chenilles. Taisez-vous ! Votre récit libéral est une supercherie. Comme le stalinisme et l’impérialisme, il a fait son temps, détruit des gens, des cultures, des valeurs, des civilisations. Taisez-vous, Messieurs les puissants ! Dégonflez vos baudruches. Rendez les armes. Avouez votre défaite. Partez, queue et tête basses. Et, de grâce, taisez-vous ! Vous avez tué Mozart en nous, la poésie, la justice sociale, la santé, l’éducation, la contemplation, l’amour de la vie et des choses simples. Taisez-vous ! On ne veut plus de votre main invisible, ni de vos loups de Wall Street, ni de vos faucons de la City, ni de vos canards de Paris, ni de vos puits d’Arabie, ni de votre pluie dorée, ni de votre ruissellement, ni de vos armes, ni de vos larmes, ni de vos drames, ni de vos leçons, ni de vos caleçons, ni de vos galons, ni de vos cravates, ni de vos cravaches, ni de vos bravaches… ni de vos délires. Que vous êtes impuissants, Messieurs les puissants ! Taisez-vous et, de grâce, laissez parler le vieux Sénèque : Le pauvre, ce n’est pas celui qui a peu, mais c’est lui qui en veut toujours plus. Taisez-vous et, de grâce, laissez parler l’Afrique : Vous avez la montre, nous avons le temps. Taisez-vous et, de grâce, laissez parler Grand-mère : La chemise du mort n’a pas de poches.    

  • Die Alan Kurdi der deutschen NGO Sea-Eye hat mit Genehmigung der spanischen Regierung den Hafen von Burriana verlassen und befindet sich auf dem Weg ins zentrale Mittelmeer. Sie ist im Moment das einzige Rettungsboot der NGOs vor der Küste Libyens. Die Alan Kurdi dürfte die SAR-Zone an diesem Wochenende erreichen. An Bord wurde ein spezielles System zur Prävention und zum Schutz im Falle einer Infektion eingerichtet. 

  • Spanien setzt Militär zur Bewachung der EU-Außengrenze rund um Ceuta und Melilla sowie an den Grenzen gegenüber Portugal und Frankreich ein.

  • Zum Schutz ihrer Bevölkerungen vor Covid-19 unternehmen Regierungen beispiellose Anstrengungen – und lassen jene im Stich, die ihre Hilfe am dringendsten benötigen.

Schwerpunkte

Mittelmeer

Mittelmeer

Migrationsbewegungen über das Mittelmeer, Seenotrettung

Sahel

Sahel

Externalisierung der EU-Grenzen, EU-Intervention, soziale Aufbrüche

MENA

MENA

Mobilität, Repression und soziale Aufbrüche nach der arabischen Revolution

Schengen-Migration

Schengen-Migration

Kampf an den Binnengrenzen, informelle Migrationsbewegungen

Aus dem Archiv

Das Mittelmeer als Raum der Abschreckung
Der lange Sommer der Migration
FFM-Hefte

Fortführung der Internet-Seite Migration Control

Die Internet-Seite migration-control.taz.de soll in naher Zukunft durch die FFM e.V. unter dem Namen migration-control.org weiter geführt werden. Schwerpunkt der Seite bleibt die Dokumentation der Externalisierung der EU-Grenzen und die Aufrüstung diktatorischer Regimes in der Nordhälfte Afrikas. Vor der Übernahme muss die Seite aktualisiert, ins Französische übersetzt und technisch neu gestaltet werden. Das kostet Geld, das wir als FFM e.V. alleine nicht aufbringen können. Deshalb sind wir auf der Suche nach Menschen, die das Projekt wichtig genug finden, um es auch finanziell zu unterstützen.

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